Mit dem Renteneintritt der Babyboomer kommen auf die Rentenkassen erhebliche Belastungen zu. Die Bertelsmann-Stiftung hat dazu eine Modellrechnung vorgestellt. Demnach muss das deutsche Rentensystem weitgehend verändert werden, um es vor dem Kollaps zu bewahren.
Sie ist seit Jahren ein Aufregerthema: Die Zukunft der Rente. Immer wieder ringen Parteien, Gewerkschaften und Verbände um das richtige Gleichgewicht zwischen angemessenen Altersbezügen und bezahlbaren Beiträgen. Dieser Konflikt könnte durch eine neue Studie nun erneut angeheizt werden. Die Modellrechnung der Ruhr-Universität Bochum im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung kommt zu folgendem Ergebnis:
"Danach werden die bereits vorgenommenen Rentenreformen, aber auch eine weiter steigende Arbeitsproduktivität durch technischen Fortschritt nicht ausreichen, um das Rentensystem langfristig stabil zu finanzieren."
Deutschlandfunk-Korrespondent Gerhard Schröder berichtete über die wesentlichen Forderungen der Autoren. Das sind unter anderem:
- Eine noch längere Lebensarbeitszeit - nämlich bis 69
- Die Einbeziehung von Selbständigen und Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung
- Eine höhere Beschäftigungsquote von Frauen und älteren Menschen
Warum ist das nötig? In seinem Bericht zitiert Gerhard Schröder den Projektleiter der Studie, Eric Thode: "Es liegt vor allem daran, dass die Babyboomer demnächst verstärkt in Rente gehen, also die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1955 und 1970."
Der demografische Wandel stellt die Rentenkasse vor eine historische Herausforderung. Während heute der Anteil der über 65-Jährigen bei 30 Prozent liegt, dürfte er nach Schätzungen der Wissenschaftler bis 2030 auf 49 Prozent steigen und 2060 dann bei 63 Prozent liegen. Die Folge: Um das Rentenniveau zu halten, müsste der Beitragssatz deutlich steigen.
Verbessern ließe sich die Lage den Forschern zufolge durch eine Art Bürgerversicherung in der Rente. Selbstständige und Beamte würden dann in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen. Dieser Schritt würde den Berechnungen zufolge den größten Stabilisierungseffekt für das Rentensystem bringen. Der Beitrag, den die Rente mit 69 und die erhöhte Beschäftigungsquote von Frauen dazu leisten könnten, sei ebenfalls nachweisbar, aber geringer.
Beim Bundesarbeitsministerium sind die Vorschläge auf wenig Gegenliebe gestoßen. Ein Sprecher von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte in Berlin, Beamte und Selbständige in die Rentenkasse einzubeziehen, führe zu "horrenden Mehrfachbelastungen einzelner Gruppen, die nur extrem schwierig zu stemmen wären." Außerdem müsse man auch irgendwann die Renten dieser neuen Beitragszahler finanzieren - das koste am Ende "richtig viel Geld".
Die Debatte, die von der Studie über die demografische Entwicklung in Deutschland angestoßen wurde, hält das Ministerium für eher akademisch und theoretisch. Mit dem Vorschlag, das Rentenalter auf 69 Jahre zu erhöhen, werde der "zweite Schritt vor dem ersten gemacht" - schließlich werde die Rente mit 67 erst im Jahr 2029 für alle Arbeitnehmer gelten.
Auf der Facebook-Seite des Deutschlandfunks diskutieren Hörer und User über die Studie. Sie kritisieren unter anderem, dass die Bertelsmann-Stiftung in ihrer Ausrichtung sehr wirtschaftsnah sei.
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Letzte Änderung: 12.03.2013 11:48 Uhr
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