Alkohol ist die am meisten verbreitete Droge in Deutschland. (Bild: picture alliance / dpa / Uwe Anspach)
In Deutschland sterben mehr Menschen an legalen als an illegalen Drogen. In ihrem "Jahrbuch Sucht 2013" warnt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen vor den Folgekosten des Alkohol- und Tabakkonsums.
Etwa 3,3 Millionen Alkoholiker gibt es in Deutschland, elf Millionen sind süchtig nach Nikotin und 1,5 Millionen nach Medikamenten. Diese Zahlen hat der Dachverband der Verbände für die Suchtkrankenhilfe (DHS) in Berlin vorgestellt.
Nach Meinung der Experten ist der Alkohol die am stärksten unterschätzte Droge in Deutschland. Allein im vergangenen Jahr habe jeder Deutsche im Schnitt 137 Liter Bier, Wein, oder Schnaps getrunken. In dem Bericht weisen sie unter anderem darauf hin, dass viele Menschen über die Risiken des Alkoholkonsums nicht informiert seien. Alkohol mache auch dann krank, wenn man nicht danach süchtig sei. Der Stoff könne beispielsweise bei Frauen Brustkrebs auslösen. In Deutschland sterben den Berechnungen zufolge jedes Jahr 74.000 Menschen an Alkoholmissbrauch.
Noch mehr Todesfälle, nämlich bis zu 120.000 im Jahr, werden den Folgen des Tabakkonsums in Deutschland zugeschrieben. Allerdings, so die Experten der DHS, sei das Bewusstsein für die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens in Deutschland größer als beim Alkohol. So habe beispielsweise das Verbot von Tabakwerbung für Printmedien dazu geführt, dass Zeitungen und Zeitschriften auch kritischer über die gesundheitlichen Auswirkungen von Tabakprodukten berichteten.
Bei der Vorstellung des "Jahrbuchs Sucht 2013" kritisierte die stellvertretende Geschäftsführerin der DHS, Gabriele Bartsch, dass der legale Drogenkonsum in Deutschland noch immer verharmlost werde. Schuld daran sei nicht zuletzt die "sehr verführerische Werbung" der Hersteller und deren wirtschaftliche Bedeutung. Auf ihrer Internetseite hat die DHS unter anderem die Werbeausgaben der Tabakindustrie für die Jahre 2008 und 2009 zusammengestellt.
Die volkswirtschaftlichen Schäden des legalen Drogenkonsums belaufen sich jedes Jahr auf 50 Milliarden Euro. Dazu gehören Kosten, die im Gesundheitswesen entstehen, aber auch die wirtschaftlichen Verluste durch Fehlzeiten, Frühverrentungen und Arbeits- oder Erwerbsunfähigkeit.
Nach Einschätzung der DHS verfügt Deutschland über ein professionelles und gut ausgebautes Suchthilfesystem. Für Betroffene gebe es aber zu viele verschiedene Ansprechpartner bei Krankenkassen, Rentenversicherungsträgern und der Behindertenhilfe. Das könne für Abhängige zu einer Hürde bei der Bekämpfung ihrer Sucht werden.
Auch die Folgen des illegalen Drogenkonsums werden in dem Jahrbuch thematisiert. Die DHS geht davon aus, dass Heroin, Kokain, Cannabis und andere verbotene Substanzen jedes Jahr etwa 1.000 Menschen in Deutschland das Leben kosten. Bei der Vorstellung des Berichtes war vor allem die Modedroge Crystal Meth ein Thema. Der Konsum von Crystal konzentriert sich nach Angaben der Behörden vor allem auf die Grenzgebiete zur Tschechischen Republik, wo die Droge in illegalen Labors hergestellt werde.
Zwar sei die Zahl der Erstkonsumenten in den betroffenen Gebieten in Bayern und Sachsen stark angestiegen, man müsse aber nicht davon ausgehen, dass sich das auf das gesamte Bundesgebiet ausweiten werde.
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Letzte Änderung: 05.04.2013 08:09 Uhr
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