Besuch beim Handelspartner: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) (Bild: picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
Es ist ungewöhnlich, dass sich der türkische Staatspräsident Gül mit einem deutschen Minister trifft. Wegen des Streits um den NSU-Prozess wird sich Philipp Rösler aber von ihm Fragen stellen lassen müssen. Eigentlich will der FDP-Politiker nur das 3. Energieforum eröffnen.
Auslöser für die jüngsten Verstimmungen im deutsch-türkischen Verhältnis ist die Platzvergabe für Medienvertreter beim bevorstehenden NSU-Terrorprozess. Ankara ist verärgert, weil türkische Reporter keine Plätze bekommen haben, obwohl die meisten Opfer des NSU türkisch-stämmig waren. Im WDR sagte Rösler, er wolle bei dem Treffen mit Gül klar machen, dass Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland die Gesellschaft bereicherten: "Ich werde keinen Zweifel daran lassen, dass wir die schrecklichen NSU-Mordserien hier in Deutschland verurteilen."
Darüber hinaus schloss Rösler nicht aus, dass türkische Medien doch noch am Prozess teilnehmen können. "Man muss jetzt noch sehen, welche technischen Möglichkeiten es gibt." Der FDP-Politiker bekräftigte allerdings, dass die Bundesregierung keinen Einfluss auf das Gerichtsverfahren nehmen könne.
Dass sich der türkische Präsident, der in der Regel Staats- und Regierungschefs empfängt, mit einem Minister treffe, sei schon ungewöhnlich, meint unser Korrespondent Peter Mücke. Der eigentliche Anlass für die Reise des Wirtschaftsministers ist denn auch das deutsch-türkische Energieforum, das jährlich im Wechsel zwischen beiden Ländern stattfindet. Es hat unter anderem zum Ziel, Unternehmen beider Länder im Bereich der erneuerbaren Energien geschäftlich zusammenzubringen.
Der Energiesektor der Türkei ist ein Wachstumsmarkt: Weil die Wirtschaft boomt, wächst auch der Energiebedarf des Landes seit Jahren stetig an. "Die Türkei spielt als 'Energie-Brückenland' eine wichtige Rolle für die Energieversorgung in Europa", sagte der Wirtschaftsminister vorab in Berlin.
Nach Angaben von Röslers Ressort ist Deutschland der wichtigste Wirtschaftspartner der Türkei und der größte ausländische Investor. Der deutsch-türkische Handel bestimmt circa 25 Prozent des gesamten Handels der Türkei mit der EU. 2012 tauschten Deutschland und die Türkei Waren im Wert von über 32 Milliarden Euro aus, dabei importiert Deutschland türkische Waren für 11,7 Milliarden Euro. Im türkischen Energiesektor sind deutsche Unternehmen bislang mit einem Investitionsvolumen von über 5 Milliarden Euro vertreten.
Zudem stellen den Angaben zufolge deutsche Touristen mit einer Zahl von über 5 Millionen die größte Gruppe ausländischer Besucher in der Türkei.
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Letzte Änderung: 14.04.2013 13:19 Uhr
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