Türkische Soldaten auf Panzerpatrouille an der Grenze zur Syrien (Bild: picture alliance / dpa / Aykut Unlupinar / Anadolu Agency)
Die NATO-Staaten sind wegen neuer Hinweise auf einen Chemiewaffeneinsatz in Syrien alarmiert. Der israelische Militärgeheimdienst untermauerte den Vorwurf des Giftgaseinsatzes anhand von Fotos der Opfer. Allerdings gibt es auch Zweifel an dieser Darstellung.
Nach Einschätzung des israelischen Geheimdienstes haben die Truppen von Syriens Staatschef Baschar al-Assad wahrscheinlich das Giftgas Sarin verwendet. Der Militärgeheimdienstler Itai Brun sagte auf einer Sicherheitskonferenz in Tel Aviv, auf Fotos seien Opfer mit verengten Pupillen und Schaum vor dem Mund zu sehen. Weitere Details nannte er nicht.
Der Chemiewaffenexperte Ralf Trapp aus Genf meinte jedoch, allein von Fotografien seien nur begrenzt Schlussfolgerungen möglich. Um das beurteilen zu können, müsse man vor Ort Hinweise sammeln und mit Zeugen sprechen. Eine unabhängige Untersuchung der Vereinten Nationen hatte Syrien aber nur in Aleppo zugelassen. Großbritannien und Frankreich haben Hinweise auf einen Gaseinsatz auch in Homs.
US-Verteidigungsminister Chuck Hagel, der sich derzeit im Nahen Osten aufhält, meinte, sollte sich der Einsatz von Chemiewaffen bestätigen, sei dies eine Wende. Die USA und Israel hätten dann "Optionen für alle Notfälle". Im Vorjahr hatte der amerikanische Präsident Barack Obama mit einem Militärschlag gegen Syrien gedroht, sollte das Regime chemische Waffen einsetzen oder deren Einsatz vorbereiten. Auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte für einen solchen Fall ein Eingreifen angekündigt.
US-Außenminister John Kerry erklärte allerdings, er habe mit Netanjahu gesprochen. Dieser habe die Informationen des Geheimdienstes nicht bestätigen können. Deshalb wolle er keinen Kommentar abgeben. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, Deutschland lägen keine Erkenntnisse über einen Chemiewaffeneinsatz vor.
Die NATO macht sich derweil Sorgen über die benachbarte Türkei. Die Lage in Syrien habe sich "dramatisch verschlechtert", sagte Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bei einem Außenminister-Treffen in Brüssel. Das Militärbündnis sei jedoch darauf vorbereitet, die Türkei zu schützen.
Zur Unterstützung des NATO-Mitglieds haben die USA, Deutschland und die Niederlande im vergangenen Jahr Patriot-Abwehrraketen an der türkisch-syrischen Grenze stationiert.
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Letzte Änderung: 25.04.2013 15:20 Uhr
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