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AKTUELL VOM 17.05.2013
Zwei Lesben auf einer Demo für die Homo-Ehe in Paris (Bild: picture alliance / dpa / Apaydin Alain) Zwei Lesben auf einer Demo für die Homo-Ehe in Paris (Bild: picture alliance / dpa / Apaydin Alain)

Frankreich erlaubt Homo-Ehe

Verfassungsrat gibt grünes Licht nach hitziger Debatte

Gleichgeschlechtliche Paare können sich in der Stadt der Liebe ab Juni das Ja-Wort geben. Der französische Verfassungsrat gab in Paris grünes Licht für ein Gesetz, das monatelang heftig diskutiert wurde und Massenproteste auslöste.

Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle fühlen sich in Europa diskrimiert, isoliert und verängstigt, ergab eine Studie anlässlich des internationalen Tages gegen Homophobie. Fast zwei Drittel von ihnen wagen es demnach noch immer nicht, ihre sexuelle Orientierung in der Öffentlichkeit zu zeigen. Im Herzen Europas gibt nun Frankreich diesen Menschen Platz, den Bund der Ehe öffentlich zu schließen.

Der französische Verfassungsrat wies alle Einsprüche der konservativen Opposition zurück. Sie hatte nach der Verabschiedung der Reform im französischen Parlament vor dreieinhalb Wochen umgehend den Verfassungsrat angerufen, um das Gesetz anzufechten. Homosexuellen das Recht auf die Ehe einzuräumen sei eine "Entscheidung des Gesetzgebers" und verstoße gegen keinen Verfassungsgrundsatz, hieß es in einer Erklärung. Keine Rolle spiele dabei, dass die Ehe bislang in französischen Gesetzen als Verbindung von Mann und Frau definiert worden sei. Eine ähnliche Gleichstellung zwischen homo- und heterosexuellen Paaren gibt es bislang erst in 13 anderen Ländern.

Kein "Recht auf ein Kind"

Der Verfassungsrat betonte, das damit einhergehende Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare bedeute kein "Recht auf ein Kind". Bei Adoptionen müsse stets "das Interesse des Kindes" Vorrang haben.

Der Chef der regierenden Sozialisten, Harlem Désir, sprach von einem "Sieg für die Republik der Gleichberechtigung". Für die Sozialisten sei es "ein Tag des großen Stolzes". Frankreichs sozialdemokratischer Staatschef François Hollande will mit seiner Unterschrift morgen (Samstag) eines seiner zentralen Wahlversprechen umsetzen. Die Wortführerin der Homo-Ehen-Gegner, Frigide Barjot, erhob dagegen schwere Vorwürfe gegen den Verfassungsrat. Sie habe "ernsthafte Zweifel an der Unabhängigkeit der Richter", sagte Barjot.

Der Streit um die Homo-Ehe hatte die französische Gesellschaft in den vergangenen Monaten gespalten. Die konservative Opposition und die katholische Kirche liefen Sturm gegen das Vorhaben, bei Großdemonstrationen gingen zehntausende Menschen gegen die Reform auf die Straße. Für den 26. Mai ist eine neue Großdemonstration geplant.

Adoptionsrecht für Homosexuelle in Portugal

Auch Portugal räumte homosexuellen Paaren mehr Gleichberechtigung ein. Das Parlament billigte die Einführung eines eingeschränkten Adoptionsrechts. Demnach dürfen Menschen, die in einer gleichgeschlechtlichen Ehe oder Partnerschaft leben und mindestens 25 Jahre alt sind, künftig ein leibliches oder Adoptivkind des Partners adoptieren. Der von der oppositionellen Sozialistischen Partei eingebrachte Gesetzentwurf wurde mit der äußerst knappen Mehrheit von 99 zu 94 Stimmen angenommen - bei 9 Enthaltungen.

Im streng katholischen und für europäische Verhältnisse immer noch sehr konservativen Portugal war Homosexualität noch bis 1982 strafbar. Trotz heftiger Proteste der Kirche hatten die Abgeordneten der Assembleia da República bereits 2010 die Einführung der Homo-Ehe gebilligt.


Letzte Änderung: 29.05.2013 14:01 Uhr

 

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