"Ehe für alle" forderten diese Demonstranten im April (Bild: picture alliance / dpa / Abaca / Alain Apaydin)
Die gleichgeschlechtliche Ehe in Frankreich ist nun offiziell in Kraft getreten. Präsident François Hollande unterzeichnete am Morgen das umstrittene Gesetz. Gestern hatte der Verfassungsrat eine Beschwerde abgewiesen und den Weg für die Homo-Ehe endgültig freigemacht.
Monatelang beherrschte die Debatte um die Homo-Ehe die Schlagzeilen in Frankreich. Die konservative Opposition und die katholische Kirche liefen Sturm gegen das Vorhaben, zehntausende Befürworter und Gegner demonstrierten. Doch nachdem gestern der Verfassungsrat eine Beschwerde der konservativen Opposition abwies und damit den Weg endgültig freimachte, hat Präsident François Hollande das Gesetz heute unterzeichnet und im offiziellen Gesetzesblatt veröffentlicht. Damit ist das Gesetz zur sozialen Gleichstellung homosexueller Paare in Kraft. Schwule und Lesben können künftig heiraten und Kinder adoptieren. Nach Angaben der Mittelmeerstadt Montpellier soll im dortigen Rathaus am 29. Mai die erste gleichgeschlechtliche Ehe geschlossen werden.
"Die Pflicht des Staates ist es, gegen Diskriminierungen zu kämpfen", hatte Frankreichs Justizministerin Christiane Taubira zur Verabschiedung des Textes gestern im Parlament erklärt. Die Sozialreform gilt in Frankreich als die bedeutendste seit Abschaffung der Todesstrafe im Jahr 1981.
Die Gegner des Gesetzes kritisieren vor allem das Adoptionsrecht und befürchten unter anderem eine "Destabilisierung von Familienstrukturen" und negative Auswirkungen auf Kinder, die mit zwei Müttern oder zwei Vätern groß werden. Am 26. Mai soll es eine weitere Demonstration geben. Mitglieder der oppositionellen UMP haben bereits versprochen, das Homo-Ehe-Gesetz im Falle eines Machtwechsel umschreiben zu wollen.
Eine ähnliche Gleichstellung zwischen homo- und heterosexuellen Paaren wie in Frankreich gibt es bislang erst in rund einem Dutzend anderer Länder. Als erstes Land hatten 2001 die Niederlande die zivile Ehe für Gleichgeschlechtliche zugelassen. Doch auch in traditionell toleranteren Ländern wächst offenbar die Diskriminierung Homosexueller im öffentlichen Leben. Dies ergab eine am Freitag veröffentlichte Online-Umfrage der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA).
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Letzte Änderung: 24.05.2013 09:58 Uhr
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