Die drei Aktivistinnen wurden kuzerhand festgenommen (Bild: picture alliance / dpa / Images de Tunisie)
Bei einer Protestaktion in Tunis sind drei Aktivistinnen der Frauenrechtsgruppe Femen festgenommen worden. Zwei Französinnen und eine Deutsche hatten mit nacktem Oberkörper vor einem Gericht in der tunesischen Hauptstadt demonstriert. Polizeikräfte führte die Frauen sofort ins Gebäude.
Mit lautstarken "Free Amina"-Rufen und Spruchbändern setzen sie sich für die Freilassung einer 18-Jährigen ein, die sich im Internet Amina Tyler nennt. Die junge Tunesierin wird seit dem 19. Mai festgehalten. Vergangene Woche wurde sie wegen des Besitzes eines gefährlichen Gegenstandes angeklagt. Die Polizei hatte in ihrer Tasche einen Dose mit Tränengas gefunden. Sie soll damit eine neue Protestaktion in der Stadt Kairouan geplant haben, wo ultrakonservative Salafisten ihre verbotene Konferenz abhalten wollten. Außerdem schrieb sie das Wort "Femen" auf eine Mauer nahe eines Friedhofs, um gegen die besonders konservative Islamisten zu protestieren.
Femen-Chefin Inna Schewtschenko teilte in Paris mit, der barbusige Protest sei der erste seiner Art in der arabischen Welt gewesen. Die Botschaften Frankreichs und Deutschlands wurden von der Polizei informiert. Der französische Konsul besuchte die Aktivistinnen und berichtete anschließend, ihnen gehe es gut. Sollten sie wegen Angriffs auf die öffentliche Moral oder Gefährdung der Sicherheit und Ordnung verurteilt werden, droht ihnen eine Haftstrafe bis zu einem Jahr.
Die Organisation Femen wurde in der Ukraine als Protestbewegung gegen die Unterdrückung von Frauen gegründet. Sie hatte zuletzt Anfang April für Aufsehen gesorgt, als Aktivistinnen mit entblößten Brüsten vor Moscheen und tunesischen Botschaften in zahlreichen europäischen Städten demonstriert hatten. Auch dabei ging es um Solidarität mit Tyler, die zuvor mit Nacktfotos im Internet in ihrem Heimatland einen Skandal ausgelöst hatte. Tyler wollte mit den Oben-Ohne-Fotos auf Facebook gegen die religiöse Unterdrückung von Frauen protestieren. Mit ihrem sogenannten Oben-Ohne-Dschihad forderten sie Selbstbestimmung über ihre Körper, die sie durch den Islamismus bedroht sehen.
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Letzte Änderung: 31.05.2013 13:55 Uhr
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