Mit Sandsäcken wird am 03.06.2013 am überfluteten Terrassenufer in Dresden (Sachsen) die Altstadt Dresdens geschützt. (Bild: picture alliance / dpa - Arno Burgi)
Eine Entspannung der Lage ist noch nicht in Sicht - in vielen Hochwassergebieten in Süd- und Ostdeutschland herrscht nach wie vor Katastrophenalarm. In der besonders betroffenen Stadt Passau stieg der Pegel auf rund 12,60 Meter - und er könnte noch weiter steigen.
Passaus Altstadt steht komplett unter Wasser. Mehr als 20 Boote versorgen die Bewohner mit den Nötigsten. Die Donau-Fluten sind bereits höher gestiegen als beim historischen Hochwasser von 1954 mit einem Stand von damals 12,20 Metern. Mit einem weiteren Anstieg wird nun gerechnet, da aus dem Oberlauf der Donau und den Zuläufen weitere Wassermassen nach Passau fließen.
150 Soldaten wurden als Helfer in die Stadt abkommandiert; bis zu 600 sollen insgesamt nach Bayern geschickt werden, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums. Sie sollen sich um Aufbau und Sicherung von Deichen mit Sandsäcken kümmern, die Katastrophengebiete aus der Luft beobachten und Betroffene mit Verpflegung sowie Medizinischem versorgen.
In der gesamten Innenstadt von Passau gebe es kein Trinkwasser mehr, berichtet Korrespondentin Birgit Fürst im Deutschlandfunk. Denn durch das Hochwasser bestehe die Gefahr, dass Trinkwasser-Brunnen verunreinigt würden, daher sei das Wasser abgestellt worden. Die Stromversorgung wurde schon vorher abgestellt. In der Altstadt säßen die Menschen nun in dunklen, kalten Wohnungen ohne Trinkwasser, so Fürst.
Auch in den anderen Hochwassergebieten im Osten und Süden Deutschlands bleibt die Situation angespannt. In sieben Landkreisen und den drei Städten Dresden, Chemnitz und Zwickau gilt Katastrophenalarm. Tausende Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Im Landkreis Leipzig gaben die Einsatzkräfte Dämme auf, um sich auf die Rettung von Menschen zu konzentrieren. Wegen des Hochwassers fiel bei etwa 14.000 Kunden des größten ostdeutschen Energieversorgers Envia in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen der Strom aus.
Nach Angaben des Innenministeriums sind in den deutschen Hochwassergebieten rund 4000 Helfer des Bundes im Einsatz, darunter 1400 Soldaten.
In Baden-Württemberg entspannte sich die Lage an den Flüssen deutlich, in Hessen stiegen die Pegelstände am Main nach Angaben des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie dagegen weiter.
In Tschechien mussten rund 7000 Menschen ihre Wohnungen verlassen, im Norden des Landes stürzte eine Brücke ein, in fast allen Regionen des Landes gilt der Notstand. Meteorologen sagen für die kommenden Tage steigende Pegelstände an Elbe und Moldau voraus. In Österreich stehen zahlreiche Innenstädte an Donau und Inn unter Wasser, in Tirol entgleiste ein Zug, weil eine Lawine aus Schlamm und Geröll die Gleise verschüttet hatte. In der Schweiz sowie in Polen entspannte sich die Lage, hier begannen vielerorts die Aufräumarbeiten. Aus Tschechien, Österreich und der Schweiz werden im Zusammenhang mit dem Hochwasser insgesamt neun Todesfälle gemeldet.
Für die Volkswirtschaft könnte das Hochwasser enorme finanzielle Folgen haben, berichtet unsere Wirtschaftskorrespondentin Brigitte Scholtes im Deutschlandfunk.
Die Bundesregierung richtete einen Krisenstab ein. Bundeskanzlerin Merkel (CDU) will sich am Dienstag in den betroffenen Regionen einen Überblick über die Lage verschaffen. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ist schon in Sachsen, um sich zu informieren. "Die Bevölkerung kann sich darauf verlassen, dass wir alles tun, ihr die Schäden zu erleichtern", sagte er in Chemnitz.
Die bayerische Staatsregierung will die Folgen der Hochwasserkatastrophe in Passau und Südostbayern mit einem Hilfsprogramm von 150 Millionen Euro lindern. Das sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in München nach einer Sitzung des Krisenstabs der Landesregierung. Daran soll sich auch der Bund beteiligen.
Die EU-Kommission sagte Deutschland und den anderen betroffenen Ländern wie Tschechien und Österreich Hilfen aus dem Solidaritätsfonds zu.
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Letzte Änderung: 07.06.2013 08:11 Uhr
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