In Istanbul haben erneut Tausende gegen die Regierung Erdogan protestiert. (Bild: picture alliance / dpa / Tolga Bozoglu)
Die Polizei in der Türkei hält an ihrer harten Gangart fest. In Ankara trieb sie am Mittwochabend die Teilnehmer einer Gewerkschaftskundgebung mit Tränengas und Wasserwerfer auseinander.
Dort hatten sich mehrere Tausend auf dem Kizilay-Platz zu einer Kundgebung versammelt. Die Regierungsgegner waren dem Aufruf zweier großer türkischer Gewerkschaften gefolgt, die sich mit den Demonstranten solidarischen zeigten. Bei den Ausschreitungen soll es mehrere Verletzte gegeben haben. Auch in Istanbul kam es auf dem Taksim-Platz zu Demonstrationen gegen die Regierung des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoga. In Izmir nahm die Polizei 29 Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter in Gewahrsam. Nach Medienangaben wird ihnen Anstachelung zum Aufstand vorgeworfen.
Außenminister Ahmet Davutoglu verteidigte seine Regierung derweil gegen Kritik aus dem Ausland. "Die Türkei ist keine Demokratie zweiter Klasse", betonte Davutoglu in einem Telefonat mit US-Außenminister John Kerry, wie ein Mitarbeiter des Ministeriums in Ankara der Nachrichtenagentur AFP sagte.
Vertreter der Protestierenden hatten sich am Mittwoch mit dem stellvertretenden türkischen Regierungschef Blülent Arinç in Ankara getroffen. Gemeinsam mit anderen Vertretern der Zivilgesellschaft übergab der Sprecher der Protestierenden, Eyüp Mumcu, eine Liste mit Forderungen. Darin werden die Freilassung aller verhafteten Demonstranten sowie den Rücktritt mehrerer Polizeichefs gefordert, die den Gewalteinsatz in den Städten gegen die Demonstranten angeordnet haben. Auch sollten die Sicherheitskräfte keinerlei Tränengas mehr einsetzen. Über den Fortgang der Ereignisse entscheide die Antwort von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, kündigte ein Sprecher der Protestbewegung an. Erdogan wird am Donnerstag von seiner Auslandsreise zurückkehren.
Weiterhin forderten die Regierungsgegner, dass das kontroverse Bauprojekt in einem Istanbuler Park gestoppt werde. Am Bau des Einkaufszentrums entzündete sich letzten Freitag der Konflikt. Seither kam es in zahlreichen türkischen Städten wiederholt zu Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Ungeachtet internationaler Kritik setzten diese mehrfach Wasserwerfer und Tränengas ein. Landesweit wurden während der Proteste nach offiziellen Angaben zwei Menschen getötet und mindestens 2000 verletzt.
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Letzte Änderung: 10.06.2013 14:40 Uhr
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