Friedenseinsatz: UNO-Blauhelmsoldaten auf den Golanhöhen, hier eine Aufnahme von 2005. (Bild: picture alliance / dpa / Abaca Abd Rabbo Ammar)
Die Sorge um die ohnehin labile Sicherheitslage in Nahost wächst. Der Bürgerkrieg in Syrien hat nun auch auf die Golanhöhen übergegriffen - es kommt zu heftigen Gefechten zwischen syrischen Rebellen und Regierungstruppen. Österreich zieht deswegen seine 380 Blauhelm-Soldaten aus dem Gebiet ab.
Das österreichische Bundesheer könne "aus militärischen Gründen" nicht mehr an dem UNO-Einsatz zur Sicherung der Pufferzone zwischen Syrien und Israel teilnehmen, erklärten Kanzler Werner Faymann und Außenminister Michael Spindelegger. Die Gefährdung der Soldaten sei auf ein inakzeptables Maß angestiegen.
Rund um den einzigen Grenzübergang zwischen Syrien und Israel war es kurz zuvor zu heftigen Gefechten zwischen syrischen Rebellen und regierungstreuen Streitkräften gekommen. Es gelang den Rebellen dabei erstmals seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad im März 2011, die Kontrolle über den Grenzposten zu erlangen. Syrische Truppen hätten dann die Aufständischen aber wieder vertrieben, hieß es in israelischen Sicherheitskreisen. Nach Angaben der UNO wurden zwei Blauhelm-Soldaten verletzt. Das israelische Militär hat Sorge, der Golan könnte von Rebellen und Kämpfern der Al Kaida als Ausgangspunkt für Angriffe auf Israel genutzt werden.
Israel hatte die Golanhöhen im Sechstagekrieg 1967 von Syrien erobert und 1981 annektiert. Österreich stellt mit rund 380 Soldaten etwa ein Drittel der UNO-Truppe zur Friedenssicherung in dem Gebiet. Der Abzug österreichischer Truppen verursacht für die Vereinten Nationen nun organisatorische Probleme. Eine Sprecherin erklärte in New York, die Soldaten aus Österreich hätten das Rückgrat der UNO-Mission zur Überwachung der Waffenstillstandslinie zwischen Israel und Syrien gebildet. Man verhandele nun mit Wien über einen verträglichen Zeitplan sowie mit anderen Nationen über Ersatz-Kontingente.
Nahe der Grenze zum Libanon gehen die Kämpfe ebenfalls weiter. Die Regierungstruppen hätten die Ortschaft Buweida al Scharkija mit Raketen beschossen, obwohl Hunderte Zivilisten und Verletzte dorthin geflohen seien, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Erst am Mittwoch hatte die syrische Armee mit Unterstützung der libanesischen Hisbollah-Miliz die strategisch wichtige Stadt Kusseir im Grenzgebiet eingenommen.
Zum ersten Mal sind im Libanon in der Hisbollah-Hochburg Baalbeck Raketen aus Syrien eingeschlagen. Mindestens 18 Geschosse aus dem Nachbarland seien auf die Stadt in der grenznahen Bekaa-Ebene abgefeuert worden, erklärten die Sicherheitsbehörden. Ein Kind sei dabei verletzt worden. Seit sich die schiitische Hisbollah-Miliz vor etwa zwei Wochen zu ihrem Kampfeinsatz an der Seite der Truppen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad bekannt hat, mehren sich die Raketenangriffe auf den Libanon.
Die Diskussionen um einen möglichen Giftgaseinsatz in Syrien gehen in der Zwischenzeit weiter. In Russland warnte Außenminister Sergej Lawrow derweil davor, die Spekulationen über den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien zum Vorwand für eine militärische Intervention zu nehmen. Frankreich hatte zwei Tage zuvor erklärt, es habe Beweise, dass die syrische Regierung das Nervengift Sarin eingesetzt habe. Die Vereinten Nationen reagierten zurückhaltend auf die französischen Vorwürfe - es sei unklar, ob die Daten zuverlässig seien.
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Letzte Änderung: 10.06.2013 14:40 Uhr
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