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AKTUELL VOM 07.06.2013
Im brandenburgischen Mühlberg weichen die Deiche auf (Bild: picture alliance / dpa / Bernd Settnik) Im brandenburgischen Mühlberg weichen die Deiche auf (Bild: picture alliance / dpa / Bernd Settnik)

Hochwasserwelle rollt weiter nach Norden

In Brandenburg wird die Lage kritisch

Auch heute schauen die Einsatzkräfte in den Hochwassergebieten mit Sorge auf die aufgeweichten Deiche und Dämme. In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg ist die Situation weiter kritisch. Die brandenburgische Stadt Mühlberg wird evakuiert.

Das Hochwasser der Elbe bahnt sich zurzeit seinen Weg weiter Richtung Norden. In der Kleinstadt Mühlberg in Brandenburg hat es seinen Scheitelpunkt erreicht. Allerdings zieht sich der über eine so lange Strecke, dass die Deiche noch lange dem hohen Wasserstand ausgesetzt sind. Das ist besonders problematisch, weil die Deiche alt und unsaniert sind. Ein Sprecher des Innenministeriums sprach von einem "Ritt auf der Rasierklinge". Die Polizei fährt mit Lautsprecherwagen durch die Straßen und ruft die rund 4000 Bewohner zum Verlassen der Stadt auf.

Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) sagte, die Lage sei schwieriger als beim Jahrhunderthochwasser 2002. Das liege daran, dass wesentlich mehr Flüsse als damals beteiligt seien, erläutert Korrespondent Axel Flemming.

In Sachsen-Anhalt und Sachsen ist die Lage nahezu unverändert. In Halle ist der Pegelstand der Saale seit dem Morgen um etwa 35 Zentimeter gesunken. Ein Stadtsprecher befürchtet aber weiter, dass aufgeweichte Dämme brechen könnten. Auch in Dresden und an anderen Orten wird das befürchtet. Wegen des Mulde-Hochwassers müssen Teile von Bitterfeld und der Gemeinde Friedersdorf evakuiert werden. Tausende Menschen wurden heute aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen.

Polizei befürchtet Plünderungen

Der Elbpegel steigt unterdessen in Magdeburg schneller an als erwartet. Der Pegel lag am Abend bei über 7,20 Meter. Das sind etwa 50 Zentimeter mehr als bei der Jahrhundertflut. Das Elbe-Hochwasser beeinträchtigt auch den Bahnverkehr von und nach Berlin. Bei Wittenberg mussten die Gleise gesperrt werden. In den evakuierten Regionen ist die Polizei seit Tagen verstärkt im Einsatz, um nach möglichen Plünderern Ausschau zu halten. Noch haben die Behörden in Sachsen-Anhalt aber keine Hinweise auf Einbrüche in leer stehende Wohnungen und Häuser.

In dem Bundesland ist außerdem ein weiterer Mensch beim Kampf gegen das Hochwasser ums Leben gekommen. Nach Angaben der Polizei handelt es sich dabei um einen freiwilligen Helfer. Der 74-Jährige sei am Abend in Wittenberg auf seinem Moped von einem Radlader erfasst worden. Insgesamt sind in Deutschland bisher durch das Hochwasser sieben Menschen ums Leben gekommen.


Hochwasser in Deggendorf, Bayern. (Bild: picture alliance / dpa / Peter Kneffel)

Hochwasser in Deggendorf, Bayern. (Bild: picture alliance / dpa / Peter Kneffel)

An der Donau in Bayern sind trotz sinkender Pegelstände Tausende Menschen weiter von Hochwasser und Überschwemmungen bedroht. Besonders betroffen ist die Gegend um Deggendorf und Straubing. Die beiden Städte stehen bereits zum Teil unter Wasser. Nach Einschätzung der Behörden werden die Dämme aber wohl halten. Die Situation entwickele sich positiv.




Bundeswehr schickt weitere Soldaten

Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger, hat sich für eine Ablösung der Hilfskräfte in den Überschwemmungsgebieten ausgesprochen. Angesichts der steigenden Temperaturen sorge er sich um die Belastung der Helfer, die bereits seit Tagen im Einsatz seien. Sie müssten durch Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern ersetzt werden. Die Bundeswehr kündigte weitere Unterstützung an. Etwa 2500 zusätzliche Soldaten sind nach Sachsen-Anhalt aufgebrochen, um auszuhelfen. Bisher sind dort schon 5000 im Einsatz.

Vorbereitungen in nördlichen Bundesländern

Viele Helfer sind auch in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein im Einsatz. Die Länder bereiten sich auf das anstehende Hochwasser vor. Dort verstärken Rettungskräfte und freiwillige Helfer die Dämme und errichten Schutzwände.

Während die Menschen in etlichen Regionen noch gegen das Hochwasser kämpfen, entfaltet sich eine Diskussion über einen besseren Hochwasserschutz in Deutschland. Die Umweltminister der Länder wollen sich nach dem Ende der Überschwemmungen zu einer Sonderkonferenz treffen. Dabei geht es um die Frage, welche Verbesserungen im Hochwasserschutz möglich sind und wie das finanziert werden kann. "Wir wollen keinen Schnellschuss, aber wir müssen klären, wo wir nachhaltige Lösungen brauchen", sagte Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU). Wie wirksamer Hochwasserschutz aussehen kann, erklärte Professor Dr. Emil Dister vom Karlsruher Institut für Technologie im Interview mit Deutschlandradio Kultur.

Die Schäden durch das aktuelle Hochwasser sind immens: Nach Berechnungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags liegen die Flutschäden für die Wirtschaft bei mehr als elf Milliarden Euro. Die betroffenen Bundesländer fordern deshalb mehr Unterstützung der Bundesregierung. Die angebotenen 100 Millionen Euro Soforthilfe reichten nicht aus.


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Weitere Informationen zum Thema:

Länderübergreifendes Hochwasserportal" - Eine gemeinsame Initiative der deutschen Bundesländer
Hochwassernachrichtendienst


Letzte Änderung: 10.06.2013 14:40 Uhr

 

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