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AKTUELL VOM 08.06.2013
Maler Willi Sitte (Bild: picture alliance / ZB / Waltraud Grubitzsch) Maler Willi Sitte (Bild: picture alliance / ZB / Waltraud Grubitzsch)

Maler Willi Sitte tot

Mitbegründer des "Sozialistischen Realismus" stirbt im Alter von 92 Jahren

Er galt als einer der bedeutendsten deutschen Künstler und war gleichzeitig einer der umstrittensten. Vor allem seine Nähe zum SED-Regime machte viele skeptisch. Heute starb Willi Sitte nach langer Krankheit in Halle.

"Sein Tod hat uns sehr betroffen gemacht. Unser Anliegen, sein künstlerisches Erbe zu verbreiten, verstärkt sich jetzt noch mehr", erklärte der Vorsitzende der Sitte-Stiftung, Hans-Hubert Werner.

Sitte war einer der Mitbegründer und wichtigsten Vertreter des "Sozialistischen Realismus". Diese Kunstrichtung realisierte sich vor allem zu Sowjetzeiten mehr und mehr in Form von einfach verständlichen Propagandagemälden. Formale Experimente waren verpönt, die Erziehung zum Kommunismus war das proklamierte Ziel. Die Kunstwerke sollten die Massen erreichen - in Form von wirklichkeitsnahen, populistischen und leicht verständlichen Propagandagemälden. Charakteristisch ist der positive Held, der durch sein Handeln einer kommunistischen Idealgesellschaft als Vorbild dient. Populäre Themen waren Arbeiter auf Feldern oder in Fabriken, Revolutionsszenen und verklärende Darstellungen des häuslichen Lebens.

So finden sich auch unter Sittes Werken großflächige, politische Gemälde - durch sie wurde er bekannt. Zu den bekanntesten Arbeiten zählen "Die rote Fahne - Kampf, Leid und Sieg" und "Höllensturz in Vietnam". Außerdem umfasst sein Schaffen auch feine Skizzen, Radierungen und Selbstporträts.

Eine Künstlerkarriere in der DDR

Die künstlerische Begabung des 1921 im tschechischen Kratzau geborenen Malers wurde schon früh deutlich. Im Alter von 15 Jahren begann er sein Studium an der Kunstschule des nordböhmischen Gewerbemuseums in Reichenberg und besuchte später die Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei in der Eifel. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs desertierte Sitte und kämpfte mit italienischen Partisanen gegen die Nazis. Nach Kriegsende ließ er sich dauerhaft in Halle nieder.

Von 1978 bis 1988 war Sitte Präsident des Verbandes Bildender Künstler der DDR und zudem drei Jahre Mitglied in der Kulturkommission des Zentralkomitees der SED. Diese Nähe zum Regime der DDR brachte ihm viel Kritik ein. Gleichzeitig nutzte Sitte seinen Einfluss aber auch dazu, den Verband gegen die SED zu verteidigen und unliebsamen Malern Arbeit zu geben.

Eine geplante Ausstellung von Sittes Werken im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg sorgte 2001 für einen Eklat. Der Verwaltungsrat sprach sich dagegen aus, den Maler zu ehren und ließ die Ausstellung platzen. Sitte zog sich danach aus der Öffentlichkeit zurück.


Weitere Informationen zu dem Thema:

Momente aus dem Leben von Willi Sitte - MDR


Letzte Änderung: 14.06.2013 10:03 Uhr