Ein Ferienhaus in Dömitz (Mecklenburg-Vorpommern), während und vor der Flut (Bild: dpa / Jens Büttner)
Versicherer schätzen, dass die Kosten des Hochwassers in Ost- und Süddeutschland höher liegen als bei der Jahrhundertflut an Elbe und Oder vor elf Jahren. Regierung und Opposition signalisieren umfassende finanzielle Hilfe.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist zum dritten Mal in Hochwassergebiete gereist. Nicht als einzige Politikerin verspricht sie nun unbürokratische Hilfe. Die Lage an Flüssen in Ost- und Süddeutschland ist weiter prekär. Die gute Nachricht kommt aus Dresden: Elbabwärts beginnt sich die Lage allmählich zu entspannen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) auf einem Elbdeich (Bild: dpa / Axel Heimken)
Die Bundeskanzlerin machte bei ihrem Besuch an einem Elbdeich im brandenburgischen Wittenberge deutlich, dass der Bund es nicht bei 100 Millionen Euro Soforthilfe bewenden lasse. "Wir wissen natürlich, dass die Schäden in die Milliardenhöhe gehen werden", sagte die Kanzlerin.
Merkel griff damit eine Forderung von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück auf. Ähnlich wie bei den Überschwemmungen 2002 müsse ein Fluthilfefonds geschaffen werden. Damals sei der Fonds mit sieben Milliarden Euro ausgestattet worden, sagte Steinbrück in Berlin. Der SPD-Kanzlerkandidat sagte, er sei bislang "sehr gezielt" nicht in die Hochwassergebiete gereist. "Die Menschen brauchen keinen Polittourismus." Wenn die Betroffenen das Ärgste überstanden hätten, werde er einen Weg finden, um mit ihnen über die bestmögliche Unterstützung zu sprechen. Die Spitzenkandidatin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, forderte ebenfalls Bund, Länder und Gemeinden auf, Hilfe von mehreren Milliarden Euro aufzubringen.
Die Bundeskanzlerin zeigte sich in Wittenberge angetan vom Engagement der Freiwilligen. "Wenn so oft über unsere Jugendlichen mal das Gesicht verzogen wird, in solchen Tagen sieht man, das sind tolle junge Menschen und das Land steht zusammen." Für Donnerstag kündigte Merkel Gespräche mit den Ministerpräsidenten der betroffenen Länder an. Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD) warnte bei der Verteilung der Fluthilfen vor einer Benachteiligung finanzschwacher Bundesländer.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht nach ersten Schätzungen von mehr Kosten aus als bei der Jahrhundertflut an Elbe und Oder im Jahr 2002. "Wir müssen davon ausgehen, dass der Schaden durchaus höher sein kann als bei der Elbe-Flut 2002", sagte GDV-Präsident Alexander Erdland. Das Hochwasser 2002 hatte die Branche 1,8 Milliarden Euro gekostet, die volkswirtschaftlichen Schäden waren aber deutlich höher. Denn nur ein Drittel aller deutschen Haushalte ist gegen Naturgefahren versichert, bei den Industriefirmen ist es die weit überwiegende Mehrheit.
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zufolge sind vom Hochwasser vor allem kleine und mittlere Firmen betroffen. Sie müssten sich aber keine Sorgen machen: Man könne immer mit der Hausbank über die Stundung von Kreditzinsen und Tilgungen reden. Zudem können geschädigte Firmen von Finanzhilfen der Staatsbank KfW profitieren, die sechs Kreditförderprogramme für geschädigte Betriebe geöffnet hat.
Freiwillige Helfer türmen Sandsäcke am Terrassenufer in Dresden (Bild: picture alliance / dpa / Arno Burgi)
Die Stadt Dresden hat nun nach einer Woche den Katastrophenalarm wieder aufgehoben. Zuvor war der Pegelstand der Elbe von der höchsten Alarmstufe 4 auf Stufe 3 gesunken. Auf ihrem Scheitelpunkt hatte die Elbe vergangene Woche einen Wasserstand von 8,76 Metern erreicht. Normal sind knapp 2 Meter. Bei der Jahrhundertflut 2002 waren 9,40 Meter gemessen worden. Pro Stunde falle der Pegelstand um zwei bis drei Zentimeter.
Elbabwärts bleibt die Lage angespannt. Im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt riss ein Deich auf einer Länge von mehr als 50 Metern auf. Insgesamt wurden rund 2500 Menschen aus Fischbeck und neun anderen Orten evakuiert. Dienstagmittag soll der Höhepunkt der Flutwelle Wittenberge passieren. Nach Berechnung der Behörden könnte der Elb-Pegelstand einen historischen Höchstwert von 8,20 Metern erreichen. Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige musste auf Anweisung der Behörden mit anderen Bewohnern den Stadtteil Herrenkrug verlassen.
Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (CSU) (Bild: Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)
Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) schließt Enteignungen von Bauern zum Hochwasserschutz nicht aus. Dies sei aber nur "in letzter Konsequenz in Erwägung zu ziehen", sagte Aigner. Besser seien einvernehmliche Lösungen mit den betroffenen Landwirten. Die Ministerin unterstützt damit einen Vorschlag von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), etwa für den Bau von Rückhaltebecken an Flüssen Bauern notfalls zu enteignen. Dies war beim Bayerischen Bauernverband auf Kritik gestoßen.
Bundespräsident Joachim Gauck will am Freitag in die betroffenen Hochwassergebiete in Bayern reisen. Er wolle weiter dafür werben, dass Thema als nationales zu betrachten und nicht den Regionen alleine aufzubürden.
Weiterführende Informationen:
Spendenkonten Hochwasser 2013
Letzte Änderung: 11.06.2013 13:56 Uhr