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AKTUELL VOM 13.06.2013
Soldaten der Bundeswehr auf einem Damm bei Osterholz (Bild: picture alliance / dpa / Jens Wolf) Soldaten der Bundeswehr auf einem Damm bei Osterholz (Bild: picture alliance / dpa / Jens Wolf)

Hochwasser drückt massiv auf Deiche

Weitere Evakuierungen im Osten

Der Norden Deutschlands kämpft weiter gegen die Fluten, in Sachsen-Anhalt werden erneut Menschen in Sicherheit gebracht. In den meisten Hochwasserregionen sinken zwar die Pegelstände. Sorgen bereiten aber nach wie vor die aufgeweichten Deiche.

Die Spitze des Hochwassers hat Sachsen-Anhalt verlassen, trotzdem bleibt die Lage in Teilen des Landes dramatisch, wie unser Korrespondent André Paul berichtet. Nach dem Deichbruch an der Elbe bei Fischbeck stehen mehr als 1000 Quadratkilometer in Sachsen-Anhalt unter Wasser. Das ist eine Fläche, die fast halb so groß wie das Saarland ist. Weitere 150 Bewohner der Ortschaft Wust mussten evakuiert werden. Der Deichbruch in Fischbeck bei Stendal konnte bisher nicht geschlossen werden. Laut den Behörden riss die Strömung die Sandsäcke mit, die von Bundeswehr-Hubschraubern abgeworfen worden waren. Eingeschlossene Bürger wurden mit Hubschraubern, Booten und Amphibienfahrzeugen befreit. Insgesamt 8.000 Menschen im Landkreis Stendal sollten ihre Häuser verlassen.

Behinderungen auf ICE-Strecken

Durch den Deichbruch in Fischbeck sind noch immer mehrere ICE-Strecken der Bahn nicht befahrbar. Die Elbbrücke bei Schönhausen bleibt auf unbestimmte Zeit gesperrt. Die Bahn rechnet mit Schäden an dem Bauwerk auf der ICE-Strecke Berlin - Hannover. Auch im Süden kam es etwa auf der Strecke Berlin - Frankfurt/Main weiterhin zu Behinderungen. Das Bundesverkehrsministerium ließ auch den Flugverkehr über den Hochwassergebieten vorerst einschränken - wegen schaulustiger Hobbypiloten sind in den betroffenen Regionen in Bayern und im Korridor Dresden/Hamburg nur noch Flüge der Einsatzkräfte zugelassen.

Das Hochwasser fließt nun weiter Richtung Brandenburg und Norddeutschland. Ein eilig errichteter rund 3,5 Kilometer langer Notdeich im Havelland soll nun als Schutz gegen das Wasser dienen, das seit dem Bruch des Elbdeichs bei Fischbeck ins Hinterland strömt. Andernorts sinken oder stagnieren die Pegelstände mittlerweile. Auch in Magdeburg entspannt sich die Lage weiter.

Alt-TextHochwasser an der Elbe (Stand: 12.06.2013)

Vorsichtige Aufatmen in Brandenburg

"Bislang ist uns alles erspart geblieben, was in anderen Ländern die Wahrnehmung bestimmt hat", sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) erleichtert in Potsdam. Während andere Regionen überflutet sind, blieb Brandenburg bislang verschont. Der befürchtete Pegel von über acht Metern wurde nicht erreicht. Dies ist vor allem der Flutung der Polder geschuldet. Entschärft wurde die Situation in Brandenburg aber auch durch Deichbrüche in Nachbarländern. Zudem hilft bislang ein Eisenbahndamm, das Land vor dem Wasser zu schützen. Die Eisenbahnbrücke bei Hämerten bleibt deswegen auch weiter gesperrt. Außerdem sind mehrere ICE-Strecken der Bahn weiter lahmgelegt. Wie lange dies dauern wird, ist noch nicht absehbar. Auch mehrere Straßen sind gesperrt.

Brandenburgs SPD: Investition in Deichbau hat sich gelohnt

Brandenburgs Landesregierung sieht sich in ihrem Vorgehen bestätigt. "Die Investitionen in den Deichbau und in die Retentionsflächen haben sich gelohnt", meinte Umweltministerin Anita Tack (Linke). Rund 10 000 Hektar Polderflächen stehen in der Mark zur Verfügung, seit 1997 hat das Land rund 400 Millionen Euro für den Hochwasserschutz investiert. Hinzu komme die hohe Professionalität der Krisenstäbe in den Kommunen, betonte Platzeck.

Das Hochwasser wälzt sich weiter mit aller Macht durch Ost- und Norddeutschland. Auch wenn Zeichen der Entspannung in Sicht sind, werden die Aufräumarbeiten noch Wochen dauern. Vor allem in Schleswig-Holstein blicken die Menschen jetzt gebannt auf die Elbe. In Mecklenburg-Vorpommern erreichte sie ihren bisherigen Höchststand.

Wie unsere Korrespondentin Nicole Buchmann berichtet, erhöhen 15 Schichten Sandsäcke den Deich nahe dem Örtchen Heiddorf auf 8,10 Meter. Das Wasser der Elde sickert hier durch die Säcke auf die Straße. Provisorisch errichtete Pumpstationen sollen die Ortschaft vor den Fluten schützen. Der Krisenstarb ist in großer Sorge.

Nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch dürfte die Flutkatastrophe einen volkswirtschaftlichen Schaden von insgesamt etwa zwölf Milliarden Euro verursacht haben. In der Politik begann eine Debatte über die Finanzierung der Milliardenschäden und den Ausbau des Hochwasserschutzes.


Aktuelle Entwicklungen zum Hochwasser auf Twitter:




Mehr Informationen auf dradio.de:

Elbhochwasser: Umleitungen im ICE-Verkehr
Dammbruch nahe Stendal - Bahnbrücke gesperrt
"Da, wo es darauf ankommt, arbeitet man hervorragend zusammen"
Niedersächsischer Innenminister Boris Pistorius sieht keine Probleme bei der Kooperation im Hochwasserschutz
Sandsäcke schleppen statt Bücher lesen
Hochschulen bitten ihre Studierenden um Hilfe im Kampf gegen das Hochwasser


Letzte Änderung: 17:45 Uhr

 

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