Simulation des neuen Stadtschlosses: Ansicht von der Nord-West-Seite (Bild: Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum / Franco Stella)
Das Stadtschloss gebe Berlin sein historisches Zentrum zurück, sagen die einen. Ein Millionengrab, meinen die anderen. Seit 20 Jahren spaltet der Wiederaufbau die Hauptstadt. Doch der Streit wird bald Geschichte sein: Bundespräsident Joachim Gauck hat heute den Grundstein für die Rekonstruktion gelegt.
Im Jahr 2019 soll der Neubau des einstigen preußischen Königsschlosses eröffnet werden. In der Rekonstruktion gegenüber des Berliner Doms wird das sogenannte Humboldtforum mit einer Ausstellung von Schätzen außereuropäischer Kulturen aus den städtischen Museen untergebracht. Das Projekt ist mit 590 Millionen Euro das größte Kulturprojekt des Bundes, das Land Berlin steuert 38 Millionen Euro bei. Ein Verein will zusätzlich 80 Millionen Euro aus Spenden für die Fassaden sammeln.
Nach einem Architektenwettbewerb hatte der Italiener Franco Stella den Auftrag erhalten, die Barockfassade des Schlosses originalgetreu wieder zu errichten und im Innern einen zeitgemäßen Museumsbau zu schaffen. Stellas Pläne sehen nun einen monumentalen Bau vor, der sich an drei Seiten eng ans historische Vorbild hält, dieses aber mit modernen Elementen und eher strengen Formen verbindet.
Bei der Rekonstruktion handele es sich um das bedeutendste Kulturvorhaben Deutschlands, lobte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) vor der Grundsteinlegung. Der Bau gebe der Hauptstadt ihre historische Mitte zurück. Der Vorstand der Stiftung Humboldtforum, Manfred Rettig, hält das neue Stadtschloss sogar für einen der spannendsten Orte der Republik. Das Humboldtforum habe ein "tolles Konzept", sagte der Stiftungschef am Tag der Grundsteinlegung im Deutschlandradio Kultur. "Da werden wir international sehr drum beneidet."
Zuletzt wandte sich auch Alt-Kanzler Helmut Schmidt (SPD) gegen den Wiederaufbau. "Ich frage mich ganz grundsätzlich: Was soll das eigentlich?", sagte er gegenüber der Wochenzeitung "Die Zeit". Schmidt kritisierte vor allem, dass der Bund den Großteil der Kosten für die Rekonstruktion zahlen soll: "Ob das breite Publikum dieses Schloss wirklich will, das bezweifle ich. Fragen Sie doch mal die Menschen in Gelsenkirchen oder Magdeburg, was denen daran liegt."
Eine nun veröffentlichte Forsa-Umfrage unter den Bundesbürgern für das Hamburger Magazin "Stern" bekräftigt die Skepsis des Alt-Kanzlers: Fast zwei Drittel der Befragten erklärten, sie fänden es nicht gut, dass das alte Hohenzollern-Schloss wieder aufgebaut wird. Nur 30 Prozent befürworten das Projekt.
Die Finanzierung ist nach wie vor eines der größten Probleme des Neubaus: Der Hauptinitiator der Schloss-Rekonstruktion, Wilhelm von Boddien, hat sich verpflichtet, einen bedeutenden Anteil der Baukosten aus Spenden-Mitteln beizusteuern - von denen nach Angaben der "Berliner Zeitung" bislang weniger als ein Drittel eingegangen ist. Zusätzlich entständen laut aktuellen Berechnungen Mehrkosten von mehr als 25 Millionen Euro, unter anderem für die Rekonstruktion und der Kuppel und der Innenportale. Auch der Zeitplan für die Bauarbeiten ist angesichts der Größe des Projekts ehrgeizig.
Von Boddien versichert jedoch, dass er eingehalten wird: "Anders als beim Flughafen BER werden während der Bauphase beim Schloss keine Änderungswünsche mehr aufgenommen", sagte er kürzlich der Nachrichtenagentur AFP. "Die Grundsteinlegung ist der Durchbruch", so Boddien. "Jetzt ist auch dem letzten Zweifler klar: Wir haben es geschafft."
Letzte Änderung: 16:05 Uhr