Israels Ministerpräsident Netanjahu in Auschwitz (Bild: picture alliance / dpa / Kobi Gideon / Israeli Government)
Mit modernen Mitteln wagt sich eine Ausstellung im ehemaligen KZ Auschwitz an die behutsame Entflechtung des Judenmords. An historischer Stätte soll den Opfern ihre Anonymität genommen werden - für Israels Ministerpräsidenten Netanjahu zugleich eine Botschaft an alle Holocaust-Leugner.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat eine neue Dauerausstellung in der Gedenkstätte Auschwitz eröffnet. Dabei betonte er die Pflicht Israels, sich gegen alle Feinde zur Wehr zu setzen. "Der Staat Israel wird alles in seiner Macht stehende tun, um einen zweiten Holocaust zu verhindern", bekräftige er vor Vertretern der israelischen Armee und wenigen verbliebenen Überlebenden des Holocausts im ehemaligen Vernichtungslager.
Im Unterschied zur Zeit des Dritten Reichs könne sich Israel heute verteidigen. Gleichzeitig wies er daraufhin, Judenhass habe das Nazi-Regime überdauert und existiere heute in anderen Formen. "Wo es früher um Überlegenheit der Rasse ging, geht es heute um Überlegenheit von Religion", so Netanjahu. Erst gestern hatte der israelische Regierungschef laut Medienberichten eine versöhnliche Erklärung zum Friedensprozess mit den Palästinensern in letzter Minute zurückgezogen.
Die mit modernen audiovisuellen Mitteln gestaltete Ausstellung wurde von Museumsexperten des Museums Jad Waschem in Jerusalem konzipiert und erinnert an die sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Juden Europas. Besucher werden aus einer Mischung melancholischer Gebetsmusik und Worten des Holocaust-Überlebenden und Nobelpreisträgers Elie Wiesel empfangen.
"Besucher, öffne dein Herz. Und deinen Geist. Und Deine Seele. Höre die Stimmen der Opfer, berühre die Namen der Ermordeten" appelliert er an alle, für die die Grauen des Zweiten Weltkriegs nur noch aus Geschichtsbüchern erahnbar sind.
Über Bilder, Filme und Tonbandaufnahmen versucht die Ausstellung der anonymen Zahl sechs Millionen ermordeter Juden in Einzelschicksalen ein Gesicht zu geben und die Opfer selbst zu Wort kommen zu lassen.
Einzelne Räume beleuchten das jüdische Leben in der Vorkriegszeit, etwa die Urlaubserlebnisse einer niederländischen Familie an der Nordsee, in anderen laufen die Hassparolen von Hitler oder Goebbels in Endlosschleifen. "Wir wollten zeigen - es fängt mit Hass und Ideologie an", sagt Ausstellungskurator Avner Shalev. Am Ende hätten nicht nur sechs Millionen Opfer des Holocausts, sondern mehr als 50 Millionen Opfer des Krieges insgesamt gestanden.
In mühevoller Kleinarbeit haben die Forscher von Jad Waschem zudem die Namen von 4,3 Millionen Toten zusammengestellt. Das Ergebnis ist ein monumentaler Buchband von 14 Metern Umfang, der ein zentrales Element der Ausstellung bildet.
Bei einer Konferenz zum Thema "Sicherheit jüdischer Einrichtungen" in Berlin räumte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich derweil der Bekämpfung des Antisemitismus höchsten Stellenwert ein.
Diesen Kampf müsse die gesamte demokratische Zivilgesellschaft führen, betonte der CSU-Politiker. Vorwiegend aus dem rechtsextremistischen und islamistischen Umfeld seien nach wie vor antisemitisch motivierte Straftaten zu verzeichnen.
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Letzte Änderung: 14.06.2013 04:54 Uhr