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AKTUELL VOM 02.03.2004
Jean-Bertrand Aristide, ehemaliger Präsident Haitis, wird auf dem Flughafen von  Bangui in der Zentralafrikanischen Republik begrüßt (Bild: AP) Jean-Bertrand Aristide, ehemaliger Präsident Haitis, wird auf dem Flughafen von Bangui in der Zentralafrikanischen Republik begrüßt (Bild: AP)

Aristide erhebt schwere Vorwürfe gegen USA

Präsident hat gegen seinen Willen Haiti verlassen

Der ehemalige haitianische Präsident Aristide hat die US-Regierung beschuldigt, ihn gewaltsam ins Exil gezwungen zu haben. In mehreren Telefon-Interviews aus der Zentralafrikanischen Republik sagte Aristide, er sei gegen seinen Willen von amerikanischen Truppen zum Flughafen und ins Ausland gebracht worden. Auch sein Rücktrittsgesuch habe er nicht aus freiem Willen unterschrieben.

"Ich nenne das einen Staatstreich, weil es eine moderne Entführung war", sagte Aristide am Montag dem Nachrichtensender CNN. Er sei von haitianischen und amerikanischen Agenten überzeugt worden, das Land zu verlassen, weil es ansonsten ein Blutbad gebe. Daraufhin habe er 20 Stunden in einem amerikanischen Flugzeug verbracht, ohne zu wissen, wohin die Reise geht.

Die Regierung in Washington widersprach diesen Angaben entschieden. Ein Sprecher des Weißen Hauses nannte den Vorwurf "völligen Blödsinn". Aristide habe das Land aus freien Stücken verlassen. Ähnlich äußerte sich auch Außenminister Powell. Die Vorwürfe seien "absurd".

Die Karibische Gemeinschaft CARICOM bezweifelt die Version der US-Amerikaner und vermutet, dass der ehemalige haitianische Präsident Aristide nicht freiwillig sein Land verlassen habe. Der CARICOM-Vorsitzende Patterson sprach von einem "gefährlichen Präzedenzfall". In New York informierten US-Abgeordnete die Vereinten Nationen über die Vorwürfe Aristides.

Treffen zwischen Rebellen und politischer Opposition

In Port-au-Prince kamen unterdessen Vertreter der Rebellen und der politischen Opposition mit der Polizeiführung des Landes zu Gesprächen zusammen.

Gestern hatten tausende Menschen in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince den Sturz Aristides gefeiert. Sie jubelten den Rebellen zu, die in die Stadt einrückten.

Am Sonntag war es in der Hauptstadt noch zu Plünderungen und willkürlichen Erschießungen gekommen. Nach Ankunft der ersten US-Marines und kanadischer Elite-Soldaten kehrte relative Ruhe ein. Am Montag waren auch die ersten französischen Soldaten eingetroffen. Der UN-Sicherheitsrat hatte am Sonntagabend einstimmig die Entsendung einer multinationalen Eingreiftruppe unter Führung der USA für die nächsten 90 Tage beschlossen. Diese soll später von einer UN-Friedenstruppe abgelöst werden.

Glossar: Haiti


Letzte Änderung: 04.03.2004 10:01 Uhr

 

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