Bundespräsident Johannes Rau hat seinen geplanten Besuch bei den in Dschibuti stationierten Bundeswehrsoldaten wegen Terrorwarnungen abgesagt. Nach Erkenntnissen von Geheimdiensten planten islamistische Gruppen einen Mordanschlag auf den Bundespräsidenten.
Mit dem deutschen Staatsoberhaupt hätte der führende Repräsentant eines westlichen Staates getroffen werden sollen, teilte das Bundespräsidialamt in Berlin mit.
Vor Journalisten sagte Rau am Dienstagabend in Daressalam, es habe bereits vor drei Tagen erste Warnungen gegeben, die jetzt verstärkt worden seien. Er werde seine Reisepläne auch in Zukunft nicht von Terroristen diktieren lassen, ein Festhalten an dem Besuchsprogramm hätte aber viele Menschen in erhebliche Gefahr gebracht, betonte Rau. "Das Risiko sei nicht zu vertreten gewesen." Gerade jetzt müssten wir erleben, welche unberechenbare Gefahr vom internationalen Terrorismus ausgehe. Umso wichtiger sei der Einsatz der Männer und Frauen, die am Horn von Afrika und an anderen Orten der Welt den Frieden sicherten. Rau wird heute von Tansania direkt nach Berlin fliegen.
In Dschibuti wollte Rau zum Abschluss seiner achttägigen Auslandsreise den Präsidenten des Landes und die Bundeswehrsoldaten besuchen, die am Anti-Terror-Einsatz "Enduring Freedom" teilnehmen. Der Besuch Raus auf der Fregatte Augsburg hätte genau zu dem Zeitpunkt stattfinden sollen, an dem in Madrid der Staatsakt zum Gedenken an die Opfer vom 11. März stattfinden soll.
Dschibuti von Rau-Absage überrascht
Der Kommunikationsminister von Dschibuti zeigte sich überrascht von der Entscheidung des Bundespräsidenten. Die örtlichen Sicherheitsbehörden hätten keine Anhaltspunkte für ein Risiko. Ein Sprecher der US-Truppen in Dschibuti sagte zu der Anschlagswarnung: "Das ist uns neu."
Schily sieht regionale Hintergründe
Bundesinnenminister Otto Schily sagte zu der Attentatsandrohung, die deutschen Sicherheitsbehörden hätten die Hinweise auf einen Anschlag sehr genau geprüft. Im Ergebnis sei Rau empfohlen worden, die Reise nach Dschibuti nicht anzutreten. Den Hintergrund für ein mögliches Attentat auf das deutsche Staatsoberhaupt bewertete Schily als regional und könne nicht ohne weiteres auf andere Situationen übertragen werden. Zugleich betonte Schily, man müsse sich darauf einstellen, dass sich derartige Drohungen auch auf Europa erstreckten.
Letzte Änderung: 26.01.2006 06:45 Uhr
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