Der Nationale Ethikrat hat sich in einer zweitägigen Sitzung nicht auf eine gemeinsame Position für oder gegen das so genannte therapeutische Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken geeinigt. Erst im September will das 25-köpfige Gremium eine Stellungnahme zum Klonen vorlegen. Darin werde es nach Einschätzung des Ethikratmitglieds Hans-Jochen Vogel aber voraussichtlich keine klare Empfehlung zum therapeutischen Klonen geben.
Vogel geht vielmehr davon aus, dass die gemeinsame Stellungnahme lediglich eine Darlegung der drei Grundpositionen enthalten werde, die von einer kategorischen Ablehnung über eine abwägende Position bis hin zu einer befürwortenden Haltung reichten. Hintergrund der jüngsten Debatte im Ethikrat zum therapeutischen Klonen ist eine Genehmigung des Klonens von Embryos zu medizinischen Zwecken in Großbritannien. In der vergangenen Woche hatte ein großer Teil der Ratsmitglieder angedeutet, dass er das Klonen menschlicher Embryonen für Forschungszwecke unter strengen Auflagen gerne zulassen würde.
Der deutsche Stammzellforscher Otmar Wiestler hält es für wenig überraschend, dass der nationale Ethikrat keine einheitliche Empfehlung abgegeben hat. Wiestler äußerte sich in diesem Zusammenhang skeptisch, dass das therapeutische Klonen jemals in der Medizin zum Einsatz kommen werde, da wissenschaftliche Gründe dem entgegenstünden.
Das Interview mit Otmar Wiestler im Wortlaut
Der von Bundeskanzler Gerhard Schröder eingesetzte Ethikrat hatte das therapeutische Klonen am Mittwoch und Donnerstag in Berlin debattiert. Eine gemeinsame Stellungnahme soll es im September geben, was laut Ethikrat der bisherigen Zeitplanung entspricht. Auf eine Abstimmung wird in dieser Frage verzichtet. "Soweit divergierende Voten bestehen, werden diese von den sie jeweils tragenden Mitgliedern unterzeichnet", heißt es dazu in einer Erklärung des Nationalen Ethikrats vom Donnerstag.
Letzte Änderung: 17.02.2006 14:13 Uhr
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