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AKTUELL VOM 07.09.2005
Tausende Haustiere irren durch New Orleans, wie dieser ölverschmierte Hund. Die Rettungskräfte evakuieren keine Tiere. (Bild: AP) Tausende Haustiere irren durch New Orleans, wie dieser ölverschmierte Hund. Die Rettungskräfte evakuieren keine Tiere. (Bild: AP)

Nicht ohne meinen Hund

Haustiere müssen im überfluteten New Orleans zurückbleiben

Von Siegfried Buschschlüter

Viele Menschen wollen New Orleans nur mit ihren Haustieren verlassen - aber die werden nicht von Polizei und Nationalgarde evakuiert. Tausende Tiere sind schon in den Fluten umgekommen, zigtausende Hunde und Katzen könnten noch gerettet werden. Der Kontakt mit dem Wasser ist höchst gefährlich: Es sind hohe Konzentrationen von Kolibakterien und Blei festgestellt worden.

Es ist, als ob die Behörden jeden Tag aufs Neue beweisen müssten, dass sie überfordert und zerstritten sind. Während der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin, alle noch in der Stadt verbliebenen Personen aufforderte, zu gehen, weil sich Giftstoffe im Flutwasser befänden, stellte Generalleutnant, Joseph Inge, wenig später klar, dass reguläre Truppen für eine Zwangsevakuierung nicht in Frage kämen.

Wenn der Bundesstaat Louisiana seine Nationalgarde dafür einsetzen wolle, dann gehe das in Ordnung. Die Nationalgarde untersteht der Gouverneurin und kann in der Tat mit Polizeiaufgaben betraut werden. Die Anweisung zur Zwangsevakuierung scheint sie jedoch noch nicht erteilt zu haben. Und auch Polizeichef, Edwin Compass, betonte am Abend gegenüber CNN, zunächst müssten weiter Menschen gerettet werden, die gerettet werden wollten. Das seien Tausende. Solange nicht alle gerettet seien, die freiwillig gehen wollten, werde er keine Zwangsevakuiierung vornehmen.

Und so beschränkten sich Polizei und Nationalgarde darauf, mit sanftem oder auch spürbarem Druck all jene zum Verlassen ihrer Häuser zu bewegen, die unbedingt aushalten wollten, aus unterschiedlichen Motiven. Erschwert wurde vielen Menschen ihre Entscheidung, alles aufzugeben, durch die Weigerung der Beamten, auch Haustiere zu evakuieren. Tausende sind bereits in den Fluten umgekommen, doch zigtausende, vor allem Hunde und Katzen könnten noch gerettet werden. Es sei nun einmal eine Tatsache, sagte Wayne Pacelli, stellvertretender Vorsitzender der Humane Society der USA, des Tierschutzverbandes des Landes, dass viele Menschen ihre Haustiere als Teil der Familie ansähen und nicht bereit seien, sie im Stich zu lassen.

Mehr als 700 Tiere hat der Tierschutzverband bereits gerettet. Und vielleicht gehört Abu bald auch dazu. Er ist Miss Connie's Blindenhund. Miss Connie ist Witwe, alleinstehend und blind. Ihr Hund, sagte sie gestern gegenüber CNN, gehe dahin, wohin sie gehe. Und sie gehe nicht.

Als die Polizei gestern morgen kam, um sie zu evakuieren, sagte man ihr, Abu müsse zurückbleiben, vorübergehend. Ihre Antwort: dann bleibe ich auch. Schwer vorstellbar, dass die Polizei versuchen könnte, die blinde Frau in Handschellen abzuführen. Dass die Warnung des Bürgermeisters vor der Verseuchung des Wassers ernstzunehmen sei, machte gestern auch Vizeadmiral Richard Carmona, der Sprecher der Bundesregierung für Fragen der öffentlichen Gesundheit, deutlich. In den getesteten Wasserproben seien Kolibakterien in unerträglichen Mengen festgestellt worden.

Es handele sich um eine verseuchte Suppe. Zu den Zutaten zählen auch hohe Konzentrationen von Blei. Die US-Umweltbehörde warnte Bürger wie Rettungs- und Bergungsmannschaften davor, mit dem Wasser in Kontakt zu kommen. Wie um zu verdeutlichen, was die nächsten Tage noch an Horrormeldungen bringen könnten, ließ die Katastrophenschutzbehörde FEMA rund 25.000 Leichensäcke nach New Orleans bringen.


Letzte Änderung: 08.09.2005 11:00 Uhr

 

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