In der islamischen Welt weiten sich die Proteste gegen die zunächst in einer dänischen Zeitung veröffentlichen Mohammed-Karikaturen aus. In Teheran versammelten sich nach dem Freitagsgebet einige hunderttausend Menschen, um gegen die Karikaturen zu demonstrieren.
Bei der Kundgebung wurden Rufe skandiert wie "Diese Beleidigung bleibt nicht ohne Antwort" oder "Tod Amerika und Israel". Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte, Muslime dürften derartige Beleidigungen nicht ignorieren.
Proteste und Drohungen gegen westliche Einrichtungen wurden auch aus den palästinensischen Gebieten, aus Syrien und Ägypten gemeldet.
In Indonesien drangen am Freitagmorgen rund 300 Demonstranten in die dänische Botschaft in der Hauptstadt Jakarta ein. Sie holten die dänische Flagge herunter und verbrannten sie. "Wir sind keine Terroristen, wir sind keine Anarchisten, aber wir sind gegen Leute, die den Islam beleidigen", riefen die Demonstranten. Auf den Plakaten aber war zu lesen: "Lasst uns in den heiligen Krieg ziehen!" oder "Lasst uns den dänischen Botschafter abschlachten!"
Auch der pakistanische Senat verurteilte die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen. Eine entsprechende Resolution verabschiedete das Oberhaus in Islamabad. Senatspräsident Wasim Sajjad sagte, die Karikaturen hätten weltweit die Gefühle von Muslimen verletzt. Das islamistische Parteienbündnis MMA rief zu landesweiten Protesten auf.
Die dänische Regierung erklärte unterdessen, sie habe nicht die Absicht, sich für die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed formell zu entschuldigen. Dies machte Außenminister Moeller klar.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble betonte indessen, zu den grundlegenden Freiheiten gehöre in Europa auch die Pressefreiheit. Daher könne eine Regierung nicht entscheiden, welches Medium welche Karikatur veröffentliche, betonte Schäuble in Koblenz.
UNO-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich besorgt über den Streit um die Karikaturen. Die Pressefreiheit müsse stets religiöse Gefühle und Lehren respektieren, ließ er in New York erklären. Zugleich rief Annan dazu auf, Missverständnisse und Feindseligkeiten durch friedlichen Dialog auszuräumen.
Die EU-Kommission rief zum Respekt der Pressefreiheit auf. Innen- und Justizkommissar Franco Frattini sagte in Brüssel, er verstehe den Ärger der Muslime. Boykottaufrufe, Gewalt und Forderungen nach einer Einschränkung der Pressefreiheit seien aber völlig inakzeptabel.
Auslöser der Kontroverse sind zwölf satirische Zeichnungen, die die dänische Zeitung "Jyllands Posten" Ende September unter der Überschrift "Die Gesichter Mohammeds" veröffentlicht hatte. Mehrere europäische Zeitungen hatten die Karikaturen in den vergangenen Tagen ebenfalls abgedruckt.
Letzte Änderung: 12.08.2006 03:21 Uhr
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