Bundespräsident Köhler hat ein verstärktes Engagement für die Freiheit von Literatur und Sprache gefordert. Köhler sagte bei der Eröffnung des 72. Internationalen PEN- Kongresses in Berlin, noch immer drohe vielen Schriftstellern Zensur, Unterdrückung, Gefängnis oder Mord. Wenn Deutschland die Kulturnation sei, als die es sich begreife, müsse man unermüdlich für die Freiheit der Kultur kämpfen. Der Kongress steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Köhler.
Auf dem PEN-Kongress diskutieren bis Sonntag 450 Autoren. Das Motto der Arbeitstagung der Schriftstellervereinigung lautet "Schreiben in friedloser Welt". Die Tagung will damit ein Zeichen gegen die weltweite Unterdrückung von Schriftstellern setzen. Es ist der erste Weltkongress der Schriftstellervereinigung seit 20 Jahren in Deutschland.
In seiner Rede zur Eröffnung des Internationalen PEN-Kongresses warf der Literaturnobelpreisträger Günter Grass den USA vor, "systematische, infame und unbarmherzige Verbrechen" begangen zu haben. Grass bekräftigte im Deutschlandradio Kultur, dass die USA Personen ausgebildet hätten, die sie heute als Terroristen verfolgten. Seine jungen Kollegen rief er dazu auf, sich mit politischen Themen zu befassen.
Der internationale PEN-Präsident Jiri Grusa zeichnete vor Beginn des Kongresses ein düsteres Bild der Situation von Schriftstellern und Publizisten: Weltweit sind laut Grusa rund 1.000 Schriftsteller ernsthaft in Gefahr vor politischer Repression, 200 Autoren säßen im Gefängnis mit Strafen von über 20 Jahren. Im vergangenen Jahr seien 37 Autoren und Journalisten getötet worden, so Grusa weiter. Das Unbenannte zu benennen, bezeichnete der tschechische Schriftsteller Grusa im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur als die kreative Substanz von Literatur.
Johano Strasser, Präsident des deutschen PEN-Zentrums, sagte im Deutschlandradio Kultur: "Wir haben es mit subtileren Formen der Verfolgung, der Unterdrückung zu tun. Wir haben es mit einer Entstaatlichung der Verfolgung zu tun und mit größeren Schwierigkeiten, die Verfolger kenntlich zu machen".
Strasser betonte, die Tagung solle nicht nur Probleme erörtern, sondern auch ein Fest der Literatur werden. Ein Schwerpunkt der Tagung ist Afrika, dessen Literatur nach Strassers Worten viel zu wenig wahrgenommen wird.
Der Generalsekretär des deutschen PEN-Zentrums, Wilfried Schoeller, sieht die internationale Autorenvereinigung nicht als "politischen Debattierklub". Gleichwohl könne etwas Politisches dabei herauskommen, wenn Schriftsteller mit ihren Mitteln versuchen, die Welt hinreichend zu beschreiben, sagte Schoeller im Deutschlandradio Kultur.
Letzte Änderung: 29.11.2006 03:20 Uhr
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