Das israelische Sicherheitskabinett in Jerusalem hat eine weitere Ausdehnung der Bodenoffensive im Libanon gebilligt. Das israelische Militär soll möglicherweise bis zum Litani-Fluss vordringen, der etwa 20 Kilometer von der israelisch-libanesischen Grenze entfernt liegt. Durch den Beschluss dürften die Bemühungen um einen Waffenstillstand weiter erschwert werden.
Ziel des Vorrückens ist es, Raketenstellungen und Waffenlager der Hisbollah-Miliz zu zerstören. Nach Angaben eines Militärexperten muss Israel bei einer Ausweitung der Offensive mit 100 bis 200 Tote in den eigenen Reihen rechnen.
Unterdessen hat die israelische Luftwaffe im Nordosten des Libanon eine der letzten noch verbliebenen Verbindungsstraßen nach Syrien beschossen. Außerdem setzte die Armee ihren Vormarsch im Süden des Landes fort. Bei den Gefechten sollen nach Informationen des Fernsehsenders Al Arabija mindestens vier israelische Soldaten getötet worden sein.
In der Nacht auf Mittwoch hatte die israelische Armee erstmals seit Beginn der Offensive ein palästinensisches Flüchtlingslager im Südlibanon unter Beschuss genommen. Nach Angaben der libanesischen Behörden wurden dabei mindestens zwei Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. In dem Lager am Stadtrand von Sidon leben derzeit rund 50.000 palästinensische Flüchtlinge.
Es gilt als Hochburg des Widerstands gegen Israel. Insgesamt gab es in der Nacht mehr als hundert Einsätze israelischer Kampfbomber. Nach Angaben einer Militärsprecherin wurden vor allem Gebäude bombardiert, die von der Hisbollah genutzt werden.
Bundesaußenminister Steinmeier (rechts) bei einem Treffen mit dem israelischen Verteidigungsminister Peretz in Jerusalem. (Bild: AP)
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier mahnte bei seinem Besuch in Israel eine schnelle Einigung auf eine UNO-Resolution zur Beendigung des Libanon-Konflikts an. "Dies ist der Weg zum Ruhen der Waffen, und ich glaube, wir müssen ihn so schnell wie möglich suchen", sagte Steinmeier nach einem Treffen mit der israelischen Außenministerin Zipi Liwni.
Libanons Ministerpräsident Fuad Siniora erklärte nach einem Treffen mit dem US-Nahostbeauftragten David Welch in Beirut, auch eine UNO-Resolution werde die Gewalt nicht kurzfristig beenden.
Frankreichs Präsident Jacques Chirac zeigte sich zuversichtlich, dass die USA Änderungen am Entwurf für eine UNO-Resolution zustimmen werden. Zwar gebe es weiter Vorbehalte der US-Regierung gegen Änderungswünsche des Libanon und der Arabischen Liga, er könne sich aber nicht vorstellen, dass daran die Verabschiedung der Resolution scheitere, erklärte Chirac.
Mehrere Hilfsorganisationen riefen unterdessen zu Spenden für die Flüchtlinge im Libanon auf. In einer von der Wochenzeitung "Die Zeit" veröffentlichten gemeinsamen Erklärung von Caritas, Rotem Kreuz, Diakonie und dem Kinderhilfswerk UNICEF heißt es, man benötige dringend Geld für die Betroffenen. Die Organisationen betonen zugleich, der Appell dürfe nicht als einseitige politische Stellungnahme verstanden werden.
Man sehe auch die Bedrohung Israels durch terroristische Angriffe und das Leid der Zivilbevölkerung. Im Libanon aber drohe eine Katastrophe. Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" wies ebenfalls auf die dramatische Situation der Menschen im Südlibanon hin.
Seit Beginn des Libanon-Konflikts sind nach Angaben der israelischen Militärbehörden 103 Israelis getötet worden, davon 36 Zivilisten. Im Libanon starben 689 Menschen, 605 von ihnen Zivilisten. Diese Zahlen des libanesischen Gesundheitsministeriums decken sich nicht mit den Schätzungen von Hilfsorganisationen, die von mehr als 1000 Opfern ausgehen.
Letzte Änderung: 10.08.2006 11:28 Uhr
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