Die Feuilletons besprechen den Film "Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" von Dani Levy, der morgen in die Kinos kommt, im Vorfeld kritisch. Das Publikum der Weltpremiere in Essen nahm den Streifen dagegen mit Applaus auf. Darf man über Hitler lachen?, ist die immer wieder gestellte Frage. Dass das möglich ist, haben Filme wie Charlie Chaplins "Der große Diktator" bewiesen.
Mit begeistertem Applaus haben mehr als tausend Premierengäste am Dienstagabend in Essen die Uraufführung von Dani Levys Komödie "Mein Führer" aufgenommen.
Vor allem die Auftritte von Helge Schneider als Adolf Hitler und Sylvester Groth als Joseph Goebbels sorgten für Heiterkeitsausbrüche und Szenenapplaus. Regisseur Dani Levy bekannte: "Diesen Film habe ich machen müssen, er ist irgendwann aus mir herausgequollen, fast wie ein Alien."
Ja, man muss über Hitler lachen können, meint der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, und tritt Kritik an dem Hitler-Film entgegen. Bei einer satirischen Behandlung des Themas sei für ihn entscheidend, "welche Haltung dahinter steht, wer das macht", sagte er im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur. Staeck betonte zugleich die Verantwortung der Künstler bei dieser Art Umgang mit dem Nationalsozialismus.
Im Interview äußert sich Staeck auch zu dem Wirbel um sein Plakat zu Rolf Hochhuths Stück "Heil Hitler", das ab Mitte Januar in der Berliner Akademie der Künste zu sehen ist.
Auch WDR-Intendant Fritz Pleitgen hat bei der Premiere in Essen gelacht. Er betrachtet den Film "Mein Führer" als gelungene Entlarvung des Nationalsozialismus. "Da ist diese Primitivität und Perfidität oder auch Amoralität und Kriminalität dieses Regimes auf eine sehr eindrucksvolle Weise bloßgestellt worden", sagte Pleitgen im Deutschlandfunk.
Mit Dani Levys Film stoße die Komödie an ihre Grenzen, meinte Rainer Rother, Leiter der Deutschen Kinemathek Berlin, im Deutschlandradio Kultur. Erfolgreiche Hitler-Parodien wie von Chaplin oder Lubitsch hätten stärkere Reflexionselemente in der Konstruktion der Geschichte. Auch seien die Filme noch während des Krieges entstanden, wo die Informationen über die deutsche Vernichtungspolitik den Regisseuren noch nicht in vollem Umfang bekannt gewesen sei.
Ähnlich wie der Film "Der Untergang" von Bernd Eichinger spielt auch "Mein Führer" am Ende des Zweiten Weltkrieges. Er beginnt im Dezember 1944, als Hitler nicht mehr an den Endsieg glaubt.
Dass man über Hitler lachen kann, haben Filme wie Charlie Chaplins" Der große Diktator" oder "Sein oder nicht sein" von Ernst Lubitsch bewiesen. Doch fehlt Dani Levy die Idee, die eigene Sicht auf den Führer, die ihn zu einer nicht verharmlosenden Witzfigur macht, schreibt Anke Leweke in ihrer Filmkritik.
Das Film-Unternehmen sei gelungen. Dani Levy, Helge Schneider und Ulrich Mühe hätten eine Hitler-Komödie hingelegt, die man lange nicht vergessen werde. Ein Kino-Glücksfall mit fast therapeuthischen Qualitäten, hält Christoph Schmitz im Deutschlandfunk dagegen.
Letzte Änderung: 19.07.2007 03:20 Uhr
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