Königin Elizabeth II. hat den bisherigen Schatzkanzler Gordon Brown zum britischen Premier ernannt. Zuvor hatte Tony Blair nach zehn Jahren im Amt seinen Rücktritt eingereicht.
Der 54-Jährige verteidigte bei seiner letzten Fragestunde im Unterhaus erneut das Engagement Großbritanniens in Afghanistan und im Irak. Der Irak-Einsatz, der von einer Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird, hatte das Land zum engsten Verbündeten der USA gemacht.
Brown hatte bereits am Wochenende den Vorsitz der Labour-Partei von Blair übernommen und angekündigt, noch in dieser Woche eine neue Regierung zu bilden.
Wenige Stunden nach seinem Rücktritt als britischer Premierminister ist Tony Blair unterdessen offiziell zum neuen Sondergesandten des Nahost-Quartetts ernannt worden. Blair soll den palästinensischen Behörden beim Aufbau von politischen und wirtschaftlichen Institutionen helfen.
Der britische EU-Parlamentarier Graham Watson erwartet vom neuen Premierminister Gordon Brown keinen Kurswechsel in der bislang zurückhaltenden Europapolitik Großbritanniens. Brown habe nicht den Ruf, ein großer Europafreund zu sein, sagte Watson, Vorsitzender der Liberalen-Fraktion im Europaparlament. Daher fürchte er, dass Brown die Politik seines Vorgängers Tony Blair fortsetze.
Text / MP3-Audio
In zahlreichen Beiträgen haben Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur Bilanz der Amtszeit von Tony Blair gezogen. Hier eine Auswahl:
"Dampfwalze folgt Sunnyboy": Die britische Presse ist nicht gerade bekannt für ihre Freundlichkeit und so wundert die deftige Wortwahl kaum, mit der die Medien im Vereinigten Königreich den Wechsel von Tony Blair zu Gordon Brown beschreiben. Tony Blair verabschieden die Briten am Ende nun mit einem versöhnlichen Tonfall, wie auf einem Spaziergang durch Westminster festzustellen ist.
Europa heute (DLF)
Großbritannien, einst der kranke Mann Europas, hat sich in den zurückliegenden zehn Jahren unter Premierminister Tony Blair wirtschaftlich weit besser entwickelt als etwa Deutschland oder Frankreich. Doch die unbestreitbaren Erfolge Blairs bleiben überschattet durch den Irak-Krieg.
Hintergrund Politik (DLF)
Der stellvertretende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Hans-Ulrich Klose, kritisierte die Ernennung Blairs zum Gesandten des Nahost-Quartetts. Er habe Zweifel, dass Blair der Mann sei, der auf allen Seiten im Nahost-Konflikt Vertrauen zurückgewinnen könne, sagte der SPD-Politiker.
Interview (DKultur)
Beim Thema Klimaschutz ist die Position von Tony Blair eindeutig: Er wollte den Ausstoß von Treibhausgasen durch den verstärkten Einsatz von Atomkraft verringern. Noch nicht so klar ist dagegen die Haltung seines Nachfolgers Gordon Brown.
Umwelt und Verbraucher (DLF)
Der Fraktionschef der Sozialisten im EU-Parlament, Martin Schulz (SPD), zog anlässlich des Rücktritts von Großbritanniens Premierminister Tony Blair eine kritische Bilanz.
Interview (DKultur)
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Letzte Änderung: 21.06.2008 03:20 Uhr
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