Bei der Pflege von älteren und bedürftigen Menschen gibt es nach wie vor erhebliche Missstände. Nach dem in Berlin vorgelegten Prüfbericht des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) und der Spitzenverbände der Pflegekassen bekommt etwa jeder dritte Pflegebedürftige nicht genug zu essen und zu trinken. Mehr als 35 Prozent der Heimbewohner und mehr als 40 Prozent der zu Hause betreuten Patienten werden nicht häufig genug umgebettet und liegen sich wund.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt jetzt will eine Expertenkommission einsetzen, um die Missstände zu beheben. Die SPD-Politikerin sagte der "Süddeutschen Zeitung", das Gremium solle Ideen entwickeln, wie die Betreuung in den Heimen verbessert werden könne.
Insgesamt wurde bei jedem zehnten Heimbewohner und bei 5,7 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause ein "akut unzureichender Pflegezustand" festgestellt. Im ersten, 2004 vorgelegten Bericht, war dies noch bei 17,4 Prozent der Heimbewohner und bei 8,8 der Pflegebedürftigen zu Hause der Fall.
Dementsprechend wies der Geschäftsführer der des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK), Peter Pick, Medienberichte über angeblich skandalöse Zustände bei der Pflege zurück. Der Pflegezustand habe sich gegenüber dem Vorgängerbericht von vor drei Jahren verbessert, wenn es auch in einigen Heimen nach wie vor Missstände gebe, sagte Pick.
Der Deutsche Pflegeverband kritisierte, dass sich die Rahmenbedingungen massiv verschlechtert hätten. Das Personal sei am Ende seiner Möglichkeiten, sagte Verbandspräsident Rolf Höfert im RBB-Inforadio. Deshalb sei eine rasche Reform der Pflegeversicherung unerlässlich.
Der MDK-Bericht fasst 8.000 Qualitätsberichte der Jahre 2004 bis 2006 zusammen. Dafür wurden mehr als 40.000 Pflegebedürftige in Heimen und zu Hause untersucht.
Ministerin Schmidt hatte zuvor ihren Vorstoß verteidigt, Angehörigen von Pflegebedürftigen eine bezahlte Auszeit zu gewähren. Es gehe nicht um Urlaub, betonte Schmidt in der "Neuen Presse" aus Hannover. Vielmehr handele es sich bei den von ihr vorgeschlagenen zehn Tagen nur um einen Baustein der Pflegereform. Angehörige brauchten in akuten Fällen Unterstützung. Der Unions-Pflegeexperte Willi Zylajew (CDU) nannte die Pläne der Ministerin nicht bezahlbar. Kritik kam auch von den Wirtschaftsverbänden.
Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD) verteidigte dagegen den Vorschlag von Schmidt zur Pflegezeit für Angehörige. Der Vorwurf, der Plan sei zu teuer, sei nicht haltbar, sagte Dreyer. Die Menschen, die sich für eine gute Pflege für andere einsetzten, müssten unterstützt werden.
Zum Bericht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen über die Situation in den Pflegeheimen sagte Dreyer, "mich treiben die Berichte des MDK immer wieder an, auch initiativ zu sein, um die Qualität in der Pflege zu verbessern". (Text / MP3-Audio)
Letzte Änderung: 21.06.2008 03:20 Uhr
Deutschlandfunk
Seit 05:05 Uhr
Informationen am Morgen
Nächste Sendung: 09:00 Uhr
Nachrichten
Deutschlandradio Kultur
Seit 05:05 Uhr
Ortszeit
Nächste Sendung: 09:00 Uhr
Nachrichten
DRadio Wissen
Seit 05:05 Uhr
Fazit
Nächste Sendung: 06:00 Uhr
Die Welt in 100 Sekunden
Beiträge zum Nachhören
Abwahl von Oberbürgermeister Sauerland in Duisburg
Sendezeit: 13.02.2012, 05:13
Abwahl Sauerland
Sendezeit: 13.02.2012, 05:10
Griechenland: Krawalle & Sparpaket verabschiedet
Sendezeit: 13.02.2012, 05:07
dradio-Recorder
im Beta-Test: