Papst Benedikt XVI. hat bei einer Messe im Wiener Stephansdom Orientierungslosigkeit in Europa und der westlichen Welt beklagt. "Die rastlose Gier nach Leben, die die Menschen heute umtreibt, endet in der Öde des verlorenen Lebens", erklärte er am Sonntag vor den Gläubigen in dem voll besetzten Gotteshaus. Alles Wissen der Erde nutze nichts, "wenn wir nicht zu leben lernen, wenn wir nicht erlernen, worauf es im Leben wahrhaft ankommt".
Gleichzeitig verteidigte Benedikt die Heiligkeit des Sonntags. "Ohne den Herrn und ohne den Tag, der ihm gehört, gerät das Leben nicht", sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Der Sonntag habe sich in den westlichen Gesellschaften zum Wochenende und damit zur Freizeit gewandelt. Wer aber auf den Gottesdienst als zentralen Punkt an diesem Tag verzichte, nehme dem Leben seinen Grund und seine innere Würde. "Wenn die freie Zeit nicht eine innere Mitte hat, von der Orientierung fürs Ganze ausgeht, dann wird sie schließlich zur leeren Zeit, die uns nicht stärkt und aufhilft", sagte Benedikt.
Auf dem Stephansplatz und weiteren Plätzen der Stadt versammelten sich etwa 20.000 Menschen, die den Gottesdienst über Großbildschirme mitfeierten. Anlass und Höhepunkt der Österreich-Reise des Papstes war am Samstag ein Gottesdienst in Mariazell. Der Wallfahrtsort in der Steiermark begeht in diesem Jahr den 850. Jahrestag seiner Gründung. In seinen Ansprachen erinnerte Benedikt XVI. mehrfach an die christlichen Wurzeln Europas und ermahnte die Kirche Österreichs zur Glaubenstreue. Die Rückreise des Papste war für Sonntagabend geplant.
Letzte Änderung: 10.09.2007 09:53 Uhr
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