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AKTUELL VOM 17.09.2007
Der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner (Bild: AP Archiv) Der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner (Bild: AP Archiv)

Kardinal Meisner weiter unter Beschuss

Historiker Wippermann: "Das ist unverzeihlich"

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner steht wegen seiner Bezeichnung von religionsferner Kultur als "entartet" weiter in der Kritik. Der Zentralrat der Juden bezeichnete den Kardinal als geistigen Brandstifter. Kulturstaatsminister Bernd Neumann sagte, Meisners Wortwahl sei völlig inakzeptabel.

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, bezeichnete Meisner als notorischen geistigen Brandstifter. Der Kardinal falle nicht zum ersten Mal mit solchen und ähnlichen Äußerungen auf, sagte Kramer dem "Tagesspiegel am Sonntag". Der Kardinal versuche, die Grenzen des Erlaubten nicht nur auszutesten, sondern er überschreite sie vorsätzlich. Er missbrauche Sprache gezielt als Tabubrecher.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann kritisierte, Meisners Äußerungen seien vom Inhalt und von der Sprache her völlig inakzeptabel. Grünen-Chefin Claudia Roth betonte, Meisner sei aufgrund seiner Wortwahl nicht mehr haltbar. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle sagte, wer so wenig von Kunst und Kultur verstehe, sollte darüber keine Reden halten.

"Das ist Kulturkampf und das ist fundmentalistisch"

Der Historiker Wolfgang Wippermann betonte, man könne Meisner aufgrund seiner Wortwahl keine Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut unterstellen. Einen nationalsozialistischen Propagandabegriff dürfe man einfach nicht gebrauchen, sagte Wippermann. Meisners Äußerungen müsse man in einem größeren Zusammenhang sehen: Hier werde ein Kulturkampf geführt, sagte Wippermann. Der Kardinal maße sich an, darüber zu bestimmen, was Kunst und Kultur zu sein habe. (Text / MP3-Audio)

"Meisner mobilisiert ganz bewusst Vorurteile"

Der Präsident des deutschen PEN, Johano Strasser, wertete die Äußerungen Meisners als Angriff auf den Pluralismus und die moderne Kunst. Meisner müsse sich daran gewöhnen, "dass es mehrere Wege zu Gott gibt, dass es eine Fülle von Wegen gibt, sich zu verständigen über die menschliche Existenz und dass die moderne Kunst einer dieser Wege ist". (Text / MP3-Audio)

Der Kunsthistoriker Christoph Zuschlag glaubt nicht an einen verbalen Ausrutscher. Meisners Statement sei gerade deshalb schlimm, weil es sich um eine bewusste Wortwahl handele, sagte Zuschlag. (Text / MP3-Audio)

Das Kölner Erzbistum teilte unterdessen in einer Erklärung mit, Meisner sei entsetzt darüber, dass sein gesellschaftlicher Appell völlig verzerrt worden sei. Der Erzbischof hatte bereits zuvor mitgeteilt, er habe nur davor warnen wollen, Kunst und Kultur auseinanderzubringen.

Meisner hatte am Freitag in einer Predigt anlässlich der Eröffnung des Kunstmuseums Kolumba gesagt: "Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet." Als "entartete Kunst" wurden während unter der NS-Diktatur Werke bezeichnet, die nicht in das ideologische Weltbild der Nazis passten.


Letzte Änderung: 21.06.2008 03:20 Uhr

 

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