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AKTUELL VOM 18.09.2007
In Deutschland wuchs die Zahl der Studenten um 5 Prozent, in 29 anderen Ländern um 41 Prozent. (Bild: AP) In Deutschland wuchs die Zahl der Studenten um 5 Prozent, in 29 anderen Ländern um 41 Prozent. (Bild: AP)

OECD: Deutschland hat Grund, sich Sorgen zu machen

Schlechte Ergebnisse im internationalen Bildungsvergleich

Von Margarete Limberg

Vor allem im Bereich der Universitäts- und Fachhochschulabsolventen fallen die Deutschen im Vergleich zu anderen Ländern der OECD weiter zurück. Es gibt zu viele Studienabbrecher und zu wenig Schüler, die sich für eine höhere Bildung entscheiden. An der Benachteiligung von Kindern aus sozial schwachen Familien hat sich dabei nichts geändert.

Der herbstliche Bildungsbericht der OECD hat auch in diesem Jahr nur wenig Gutes über das deutsche Bildungssystem mitzuteilen. Trotz einiger Verbesserungen fällt die Bundesrepublik im Bereich der Universitäts- und Fachhochschulbildung im Vergleich zu anderen Ländern der OECD weiter zurück. Während in Deutschland die Zahl der Studierenden nur um 5 Prozent zunahm, stieg sie in 29 Ländern um 41 Prozent. In einigen Ländern studieren inzwischen zwei Drittel eines Jahrgangs, im OECD-Durchschnitt rund 50 Prozent. Der Generalsekretär der OECD, Angel Gurria:

"Wenn man die tertiären Abschlüsse in der Generation zwischen 55 und 64 mit denen der Altersgruppe zwischen 24 und 35 Jahren vergleicht, dann ist Deutschland vom 10. Platz auf den 22. Rang gefallen. Und zwar nicht, weil die Bundesrepublik so weit zurückgefallen ist, sondern weil die anderen so rasch vorankommen."

Die deutschen Teilnehmer der Pressekonferenz hatten den ernüchternden Feststellungen trotz des Hinweises auf einige Reformen kaum etwas entgegenzusetzen. Der Präsident der Kultusministerkonferenz und Berliner Bildungssenator, Jürgen Zöllner, musste einräumen, dass in Deutschland der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt zuletzt um 0,2 Prozent und die Bundesrepublik damit unter den OECD-Durchschnitt gesunken ist.

An der Benachteiligung von Kindern aus sozial schwachen Familien - eine Dauerklage aller OECD-Bildungsberichte - hat sich nichts geändert. Der Anteil der Akademikerkinder an den Hochschulstudenten ist in diesem Land mehr als doppelt so hoch als es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. KMK-Präsident Jürgen Zöllner:

"Am größten Sorgen macht mir - und ich gehe davon aus auch meinen Kolleginnen und Kollegen in der KMK - die Entwicklung in dem Bereich der Studienanfänger. Man muss es aussprechen, dass wir zwar zugenommen haben, das Ziel noch nicht erreicht haben, aber dass die Geschwindigkeit der Zunahme in den Vergleichsländern eben spürbar größer war. Also die Lücke ist eher größer geworden."

Die Folgen der vergleichsweise geringen Zahl von Hochschulabsolventen bekommt die deutsche Wirtschaft in vielen Bereichen bereits zu spüren. Schon jetzt ist Deutschland nicht mehr in der Lage, Ingenieure, die in Rente gehen, durch eine ausreichende Anzahl von Hochschulabsolventen zu ersetzen. Im Bildungsbereich ist die Differenz sogar noch dramatischer. Auf 100 pensionsnahe - oder reife Pädagogen kommen nur 60 Berufsanfänger.

Deutschland, so die Schlussfolgerung der OECD, hat allen Grund sich Sorgen zu machen. Denn eine leistungsfähige tertiäre Ausbildung sei ein strategischer Faktor für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt.

Die OECD weist in ihrem 7. Bildungsbericht abermals darauf hin, dass es sich nicht nur für eine gesamte Volkswirtschaft lohnt, möglichst viel in die Hochschulbildung zu investieren, sondern auch für den Einzelnen. 2005 hatten in Deutschland Berufsanfänger mit einem tertiären Abschluss ein um 56 Prozent höheres Einkommen als Berufsanfänger, die nur einen Realschulabschluss, das Abitur oder eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen konnten. Die Arbeitslosenquote für Geringqualifizierte ist zwischen 1991 und 2005 von 7,4 auf 20,2 Prozent gestiegen.

Bisher sind es in der Bundesrepublik aber nicht mehr als 21 Prozent der 15-Jährigen, die auch nur entfernt an den späteren Besuch einer Universität oder Fachhochschule denken. Dies und die hohe Zahl der Studienabbrecher von etwa 35 Prozent treibt natürlich auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan um:

"Wir müssen ehrgeiziger werden im Blick auf die Schwachstellen, die Zahl derer, die im Alter von 15 Jahren nicht im Entferntesten an ein Studium denken, diejenigen, die zuwenig Zugang zu den technischen und auch naturwissenschaftlichen Berufen haben. Der Ehrgeiz des Bildungssystems muss sein, dass jeder Jugendliche einen Abschluss macht, der den Einstieg in die nächste Phase der Bildung ermöglicht."

Die Bildungsministerin kündigte einen Bildungsherbst mit einer intensiven Debatte über Fakten und Strategien an. Dabei hatte man in den letzten Jahren nicht den Eindruck, in der Bundesrepublik werde zu wenig über dieses Thema diskutiert.


Letzte Änderung: 19.09.2007 09:05 Uhr

 

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