Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Wirtschaft davor gewarnt, die Diskussion über maßlose Managerbezüge als "Neid-Debatte" abzutun. Auf dem Arbeitgebertag appellierte sie an die Unternehmer, sich der Sache anzunehmen.
Merkel betonte in Berlin, niemand habe etwas gegen hohe Gehälter bei erfolgreichem Wirtschaften, allerdings sei es nicht verständlich, wenn jemand erhebliche Risiken heraufbeschwöre und anschließend ohne "persönliches Risiko" davon komme. Dies habe es zu früheren Zeiten in diesem Maße nicht gegeben. Zugleich stellte Merkel klar, die Regierung strebe keine Initiativen für staatlich geregelte Gehaltsobergrenzen und Abfindungen an. Das Motto könne allerdings nicht lauten, wenn kein Gesetz komme, passiere nichts. Die Unternehmen sollten freiwillige Verhaltensregeln für Firmen verbessern. (MP3-Audio, Beitrag von Martin Steinhage)
Unterdessen dringt die SPD weiterhin auf eine Begrenzung der Bezüge. Der SPD-Politiker Joachim Poß bekräftigte im Deutschlandfunk nach einer Begrenzung von Managergehältern. Bezüge und Abfindungen im zweistelligen Millionenbereich seien teilweise sittenwidrig, betonte Poß. Die Politik könne dazu beitragen, die Transparenz zu verbessern, erklärte der SPD-Fraktionsvize.
Zudem forderte Poß, der auch die neue SPD-Arbeitsgruppe zu Managervergütungen leitet, die Aufsichtsräte von Unternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen. Außerdem regte Poß eine Begrenzung der Steuerabzugsfähigkeit von Abfindungen an, auch wenn deren Zulässigkeit möglicherweise vor dem Verfassungsgericht geklärt werden müsse. Dieses Risiko müsse man im Zweifel eingehen. (Text / MP3-Audio)
Die Union hingegen lehnt gesetzliche Obergrenzen für Managergehälter ab. Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Laurenz Meyer (CDU), sagte in der ARD, man könne nur die Vorstände und Aufsichtsräte appellieren, die Bezüge an den Unternehmenserfolg zu koppeln.
Der Vorsitzende des CDU-Wirtschaftsrates, Kurt Lauk, sagte im Deutschlandfunk: "Die Managerschelte hängt sich an Einzelbeispielen auf." Wegen ein paar schwarzen Schafen solle aber nicht der gesamte Berufsstand verteufelt werden. (Text / MP3-Audio)
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel hält die Debatte über eine Begrenzung von Managerbezügen für reinen Populismus. Der Staat sollte sich aus der Lohnfindung sowohl bei Managergehältern als auch bei Mindestlöhnen raushalten, sagte Niebel der "Sächsischen Zeitung". Die Lohnfestsetzung sei allein Sache der Eigentümer. Eine vom Staat festgelegte Begrenzung würde gegen die im Grundgesetz verbriefte Vertragsfreiheit verstoßen.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt kritisierte die Debatte um die Managergehälter. Die Diskussion sei verzerrt, da die überwiegende Zahl der Manager alles für das Wohl der Unternehmen tue, um Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten und neue zu schaffen, sagte Hundt im Deutschlandradio Kultur. (Text / MP3-Audio)
Letzte Änderung: 21.06.2008 03:21 Uhr
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