Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch wird neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Die katholischen Oberhirten wählten den 69-Jährigen in Würzburg zum Nachfolger von Kardinal Karl Lehmann. Der 71 Jahre alte Mainzer Bischof hatte den Vorsitz fast 21 Jahre lang inne und übt das Spitzenamt aus gesundheitlichen Gründen nur noch bis Sonntag aus.
Zollitsch will sich nach eigenen Worten ebenso wie Lehmann für das Vorankommen der Ökumene einsetzen. Dass beide christlichen Kirchen "gemeinsam Zeugnis abgeben", sei für die Zukunft extrem wichtig, sagte Zollitsch in der Dankesrede nach seiner Wahl. Zuvor hatten sich die 69 katholischen Bischöfe im dritten Wahlgang mit einfacher Mehrheit für ihn entschieden.
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Wolfgang Huber, schrieb Zollitsch: "Ich bringe Ihnen gegenüber ganz offen meine Hoffnung zum Ausdruck, dass wir miteinander die über die zurückliegenden Jahrzehnte guten und gefestigten ökumenischen Begegnungen zwischen unseren Kirchen fortführen und weiterentwickeln können."
Bereits im ersten und zweiten Wahlgang hat sich laut Mitgliedern der Bischofskonferenz eine Mehrheit für Zollitsch herausgebildet, aber noch nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Der ebenfalls favorisierte neue Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, habe ihm danach zuerst gratuliert und seine Unterstützung zugesagt, berichtete Zollitsch.
Zollitschs Amtszeit als oberster Repräsentant der 25,7 Millionen Katholiken in Deutschland beträgt sechs Jahre. Er leitete bisher den Verwaltungsrat des Verbandes der Diözesen Deutschlands, in dem die 27 rechtlich und wirtschaftlich selbstständigen Diözesen zusammengeschlossen sind.
Der alte und der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz: Kardinal Karl Lehmann (links) und Erzbischof Robert Zollitsch. (Bild: AP Archiv)
Zollitsch ist seit 2003 Erzbischof von Freiburg. Zuvor arbeitete er zwei Jahrzehnte als Personalreferent der Erzdiözese und stand dort von 1974 bis 1983 dem Priesterseminar Collegium Borromaeum vor. Studiert hat der im ehemaligen Jugoslawien (Filipovo) geborene Theologe in Freiburg und München. Seine Familie war nach Vertreibung und Flucht 1946 in den Landkreis Tauberbischofsheim gekommen, der zur Erzdiözese Freiburg gehört. Zollitsch gilt theologisch als traditionell und volkstümlich verwurzelt.
Vorgänger Lehmann äußerte sich sehr erfreut über das Votum und betonte, dass die Zusammenarbeit mit Zollitsch sich bsilang schon "sehr gut gestaltet" habe. Zollitsch betonte, er wolle wie Lehmann Moderator und Brückenbauer sein.
Zollitsch stehe für ernsthaften Dialog und kritische Zeitgenossenschaft mit den Menschen von heute, würdigte ihn das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Auch die Laienbewegung "Wir sind Kirche" sprach von einer guten Wahl. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) erbat von Zollitsch Unterstützung bei der Integration von Muslimen.
Programmhinweis: "Fazit - Kultur vom Tage" sendet ab 23.05 Uhr auf Deutschlandradio Kultur ein Porträt über Robert Zollitsch. Die Sendung wird ab 0.05 Uhr im Deutschlandfunk wiederholt.
Letzte Änderung: 21.08.2008 03:20 Uhr
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