Logo der UN-Naturschutzkonferenz 2008 (Bild: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU))
So manche Tierart fällt der Öffentlichkeit erst auf, wenn sie stört: Die Kleine Hufeisennase zum Beispiel, eine streng geschützte Fledermausart, lebte kaum bemerkt von der Öffentlichkeit nahe dem Elbufer bei Dresden - bis Naturschützer gegen den Bau der Waldschlösschenbrücke klagten, um die Tiere zu schützen. Allerdings vergeblich. Das ist kein Einzelfall: Wenn Infrastrukturprojekte oder Industrieansiedlungen gegen den Naturschutz stehen, ist es um den Bestand der geschützten Art oft geschehen.
Einen Ausblick auf den Programmschwerpunkt gibt unsere Dia-Show im Flash-Format
Auf der Erde spielt sich zurzeit ein großes Artensterben ab - das erste Massensterben, das von Menschenhand verursacht wird. Rund 15.000 Tier- und Pflanzenarten drohen in den nächsten Jahren unwiderruflich zu verschwinden. Die Liste der Ursachen ist lang: dazu gehört der Verlust von Lebensräumen wie im Fall der Hufeisennase, das großflächige Abholzen von Urwäldern, die Verschmutzung und Überfischung der Meere. Hinzu kommen landwirtschaftliche Monokulturen mit massivem Einsatz von Düngern und Pestiziden, außerdem Jagd und illegaler Handel mit Tropenholz und Trophäen, mit Kaviar und Elfenbein. Verschärft wird diese Entwicklung durch die Klimaerwärmung, die die gewachsenen Ökosysteme in nie gekanntem Tempo aus dem Gleichgewicht wirft.
Frau mit bedrohter Hoodia-Pflanze, die als Heilmittel gegen Husten und Erkältungskrankheiten geschätzt wird. (Bild: AP)
Artenvielfalt ist jedoch nicht nur ein Wert an sich - sie zahlt sich für den Menschen aus: Erstens ist es gerade die Vielfältigkeit, die Pflanzen und Tiere anpassungsfähig macht - auch an den Klimawandel - und damit ihnen das Überleben und uns die Ernährung sichert. Zweitens lassen sich die genialen Ideen der Natur analysieren und in unserem Alltag gebrauchen: Bionik nennt sich diese Wissenschaft; der Klettverschluss - der Klette abgeguckt - ist so eine Raubkopie aus der Natur genauso wie das Flugzeug. Drittens haben viele Pflanzen medizinische Wirkungen. Indigene und andere traditionelle Völker nutzen dies und oft geben sie ihr Wissen bereitwillig weiter. Inzwischen beuten moderne Forscher und Unternehmer diese Kenntnisse aus, häufig allerdings ohne die Urheber darüber zu informieren oder gar an den Profiten zu beteiligen.
Wie solche Profite angemessen verteilt werden, ist nur ein Punkt von vielen, über die rund 5000 Delegierte aus 190 Ländern vom 19. bis zum 30. Mai in Bonn auf der 9. UN-Naturschutzkonferenz diskutieren und streiten werden. Grundlage ist die Biodiversitätskonvention (CBD) der Vereinten Nationen, die 1992 auf der Weltkonferenz in Rio de Janeiro verabschiedet wurde.
Der Deutschlandfunk nutzt diese Konferenz für einen Programmschwerpunkt. Lohnen sich hierzulande millionenschwere Programme zum Schutz von Feldhamster und Großtrappe? Wem gehört die Artenvielfalt - als Erbe der Menschheit uns allen? Oder können Brasilien, Indonesien und Malaysia ihre extrem artenreichen Regenwälder nach eigenem Gusto nutzen statt zu schützen? Wo beginnt die Verantwortung der nördlichen Industriestaaten für die Vielfalt des tropischen Regenwaldes, wenn der durch den Klimawandel bedroht ist? Über diese Fragen wollen wir berichten und diskutieren, mit Live-Sendungen aus Bonn und Reportagen von Orten in Deutschland und der Welt, an denen die Artenvielfalt besonders groß, bedroht oder intakt ist. Hören Sie rein und diskutieren Sie mit!
Sendetermine:
Sonntag, 18. Mai 2008
Interview der Woche
Wieczorek-Zeul will Kampf gegen Biopiraterie verstärken
Sonntagsspaziergang, 11.30 Uhr
Besuchen und bewahren - Naturschutz auf Reisen
Wissenschaft im Brennpunkt, 16.30 Uhr
Arachnophobia - Exotische Spinnen auf dem Weg nach Europa
Hintergrund, 18.40 Uhr
Artenvielfalt wozu? - Die UN-Konferenz über den Wert einer intakten Natur
Montag, 19. Mai 2008
Informationen am Morgen: Podium, 7.50 Uhr
"Am stabilsten sind Mischbestände" -
Ein strukturreicher Wald hält Stürmen besser stand
Umwelt und Verbraucher, 11.35 Uhr
Informationen zum Konferenzauftakt
Forschung aktuell, 16.35 Uhr
Inventur am Feldrand
Deutsche Forscher überwachen Artenvielfalt im hessischen Lahn-Dill-Bergland
Dienstag, 20. Mai 2008
Sprechstunde, 10.10 Uhr
Sanft und ganzheitlich: Naturheilverfahren in der Medizin
Forschung aktuell, 16.35 Uhr
Was kostet ein Ökosystem? Forscherteams bestimmen monetäre Werte für Biodiversität
Mittwoch, 21. Mai 2008
Forschung aktuell, 16.35 Uhr
Zu ähnliche Elche
Donnerstag, 22. Mai 2008
Umwelt und Verbraucher, 11.35 Uhr
Mitläufer oder Täter: Die EU und das Artensterben
Forschung aktuell, 16.35 Uhr
Gleichförmige Vielfalt
Freitag, 23. Mai 2008
Lebenszeit, 10.10 Uhr
Per Mausklick in den Wald - Wie sich Natur-Erfahrung verändert
Wirtschaft am Mittag, 13.35 Uhr
Portrait des Umweltreiseveranstalters Colibri Reisen aus Dallgow-Döberitz (MP3-Audio)
Forschung aktuell, 16.35 Uhr
Taxonomen auf der Roten Liste
Samstag, 24. Mai 2008
Podium
Vom Todesstreifen zur Lebenslinie
Wochenendjournal, 9.10 Uhr
Tod im Tümpel - Das große Froschsterben
Eine Welt, 13.30 Uhr
Montag, 26. Mai 2008
Forschung aktuell, 16.35 Uhr
Wandernder Nationalpark
Dienstag, 27. Mai 2008
Informationen am Morgen, 8.10 Uhr
WWF: Waldverlust stoppen - Experte fordert Gelder für den Erhalt der Artenvielfalt
Campus und Karriere, 14.35 Uhr
Öffentlichkeitsarbeit für die Natur - Ein Ranger stellt sich vor
Mittwoch, 28. Mai 2008
Verbrauchertipp, 6.25 Uhr
Verbotene Krokotasche - Beim Mitbringen von Urlaubssouvernirs ist das Artenschutzabkommen zu beachten
Informationen am Morgen, 7.15 Uhr
Steiner: Wir können Umweltpolitik nur noch global voranbringen
Zur 9. UN-Naturschutzkonferenz in Bonn
Forschung aktuell, 16.35 Uhr
Die kleinen Unbekannten
Donnerstag, 29. Mai 2008
Marktplatz, 10.10 Uhr
Kaviar und Krokoleder - Verbotene Mitbringsel aus dem Urlaub
Freitag, 30. Mai 2008
Umwelt und Verbraucher, 11.35 Uhr
Ist der Artenschutz weitergekommen? - Eine Bilanz
Wirtschaft am Mittag, 13.35 Uhr
Aus der Schatzkiste der Natur - Bionorica forscht nach pflanzlichen Arzneimitteln
Forschung aktuell, 16.35 Uhr
Nutznießer des Menschen
Weitere Informationen finden Sie unter den folgenden Links:
Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit über die Konferenz und ihre Ziele:
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
Die Naturallianz ist ein Zusammenschluss aus Vertreterinnen und Vertretern von Politik, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Wirtschaft, Medien, Wissenschaft und Kultur, der sich für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt in Deutschland und weltweit engagiert.
Naturallianz
Die "Convention on Biological Diversity" ist ein Abkommen der teilnehmenden Nationen, das plant, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 entscheidend zu begrenzen
Convention on Biological Diversity
Informationsplattform des Dachverbandes deutscher Naturschutzverbände DNR (Deutscher Naturschutzring) und des Forum Umwelt und Entwicklung, einem Zusammenschluss umwelt- und entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert innovative Projekte zum Umwelt- und Naturschutz und schreibt unter anderem den Schüler- und Jugenwettbewerb "Entdecke die Vielfalt der Natur" aus.
Letzte Änderung: 07.06.2008 16:08 Uhr
Links:
Deutschlandfunk
Seit 13:05 Uhr
Informationen am Mittag
Nächste Sendung: 13:30 Uhr
Zwischentöne
Deutschlandradio Kultur
Seit 13:05 Uhr
Die Reportage
Nächste Sendung: 13:30 Uhr
Neonlicht
DRadio Wissen
Seit 13:05 Uhr
Online Talk
Nächste Sendung: 14:00 Uhr
Nachrichten
Beiträge zum Nachhören
Ilko-Sascha Kowalczuk: 17. Juni 1953, Roger Engelmann: DDR im Blick der Stasi
Sendezeit: 16.06.2013, 12:34
Lesart - kurz und kritisch
Sendezeit: 16.06.2013, 12:33
Jürgen K. Hultenreich: Die Schillergruft
Sendezeit: 16.06.2013, 12:32
dradio-Recorder
im Beta-Test: