Der Streit zwischen der internationalen Staatengemeinschaft und dem Militärregime in Birma über Hilfslieferungen für die Wirbelsturm-Opfer eskaliert. Nachdem das Regime nach Angaben der Vereinten Nationen alle bislang ins Land geflogenen Hilfsgüter beschlagnahmt hatte, erklärten die UN in Bangkok, die Unterstützung bis auf Weiteres auszusetzen. Zuvor hatten die Vereinten Nationen die Weigerung der Junta, auch knapp eine Woche nach dem verheerenden Zyklon "Nargis" keine internationalen Katastrophenhelfer ins Land zu lassen, als beispiellos in der Geschichte der humanitären Arbeit kritisiert.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier appellierte erneut an die Regierung Birmas, die Grenzen für Hilfsorganisationen zu öffnen. Der SPD-Politiker sagte nach einer Sondersitzung des "Koordinierungsausschusses Humanitäre Hilfe" in Berlin, das ganze Ausmaß der durch den Wirbelsturm verursachten Schäden dürfte größer sein als die Katastrophe, die der Tsunami 2004 in Südostasien ausgelöst hatte. Es gebe mehrere 10.000 Opfer, mehr als eine Million Obdachlose, und große landwirtschaftliche Flächen seien durch das eingedrungene Salzwasser für Jahre unbrauchbar.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief den UN-Sicherheitsrat dazu auf, sich mit der Lage in Birma zu befassen. Sie kündigte an, diese Frage telefonisch mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zu erörtern. Im Sicherheitsrat gibt es bisher keine Mehrheit für die von Frankreich beantragte Befassung mit der Lage in Birma. (MP3-Audio, Beitrag von Martin Steinhage)
Durch "Nargis" kamen nach offiziellen Angaben knapp 23.000 Menschen in Birma ums Leben. Es wird jedoch befürchtet, dass die Zahl der Toten bei mehr als 100.000 liegen könnte. Rund 1,5 Millionen wurden obdachlos.
Letzte Änderung: 16.11.2008 03:20 Uhr
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