Das Medienkunstfestival Ars Electronica in Linz wartet in diesem Jahr mit einer provokanten These auf: "Das Zeitalter von Copyright und geistigem Eigentum ist abgelaufen". Wie es um geistiges Eigentum bestellt ist im Spannungsfeld zwischen Informationsfreiheit und Urheberrechten, steht im Zentrum des Festivals, das vom 4. bis zum 9. September stattfindet.
Künstlerisch soll der Frage nachgegangen werden, wem geistiges Eigentum gehört (MP3-Audio, Deutschlandradio Kultur), und wer damit wie heutzutage noch Geld verdienen kann. Zudem soll es um tragfähige Regeln für den Umgang mit Raubkopien gehen. Das Zeitalter von Copyright und geistigem Eigentum sei abgelaufen, lautet eine der provokanten Thesen, die in den nächsten Tagen in Linz diskutiert werden. Gefordert wird von den Ars-Electronica-Machern eine Ökonomie des Teilens, in der Information nicht länger per Gesetz ein- und abgesperrt werde, sondern ungehindert zirkuliere, heißt es im Beitrag im Radiofeuilleton von Deutschlandradio Kultur.
Wenn Wissen das Kapital der Zukunft sei, dann könne es auch nur seine Wirkung entfalten, wenn es im Umlauf sei und frei zirkulieren könne, betont Gefried Stocker, künstlerischer Leiter der Ars Electronica, im Gespräch mit der Sendung Corso im Deutschlandfunk. Die Ars Electronica bestehe aus vier Säulen, erklärt er weiter. Dazu zählten neben dem Festival ein internationaler Wettbewerb für digitale Kunst, auf dem der Prix Ars Electronica verliehen wird, das eigene Forschungslabor Futurelab, in dem Künstler gemeinsam mit Wissenschaftlern, Designern und anderen an neuen Projekten arbeiten, und eine ganzjährige Ausstellung im "Ars Electronica Center".
Durch künstlerische Interventionen soll die Diskussion um die Frage um Copyright und geistigem Eigentum verdeutlicht werden. So will das Künstlerteam "Fallen Fruit" Marmelade kochen aus Früchten, die aus privaten Gärten stammen, aber in den öffentlichen Raum hineingewachsen sind.
Die Geräusche seiner Kindheit aus dem Tonarchiv seines Vaters sind dagegen für Satoshi Morita aus Tokio Inspiration für seine "multisensorische" Klangkunst. Auf dem Festival präsentiert er seine interaktive Installation "Klangkapsel", in der Besucher ihn beim Kochen hören und fühlen können. Lesen Sie im Profil von Deutschlandradio Kultur ein Porträt des Künstlers.
Am Linzer Hauptplatz soll eine überdimensionale Festplatte aufgebaut werden, von der sich Besucher Daten kopieren können. Zudem gibt es zahlreiche Ausstellungen und Konzerte.
Seit 1979 liefert die Ars Electronica eine spannende Schnittmenge aus den Bereichen digitale Kunst, Medienkultur, Technologie und Gesellschaft. Jährlich werden gesellschaftspolitische Fragen diskutiert, wie zum Beispiel im letzten Jahr das Verschwinden der Privatsphäre durch immer mehr Überwachung und gleichzeitig immer größere Selbstentblößungstendenzen im Internet.
Letzte Änderung: 14.03.2009 03:20 Uhr
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