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AKTUELL VOM 07.01.2009
In vielen europäischen Ländern blieb der Gasherd mangels Gas heute aus. (Bild: AP) In vielen europäischen Ländern blieb der Gasherd mangels Gas heute aus. (Bild: AP)

Russland stellt Gastransit über Ukraine ein

Versorgungsengpässe in mehreren europäischen Ländern

Russland hat seine Gaslieferungen nach Westeuropa über die Ukraine komplett gestoppt. Dies bestätigte Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew. Er machte die Ukraine dafür verantwortlich und sagte, die Ukraine habe in der Nacht alle Transit-Pipelines geschlossen. Rund 80 Prozent der Gaslieferungen aus Russland nach Europa gehen über die Ukraine.

Bereits am Vortag hatte der russische Energiekonzern die Gaslieferungen über die Transitleitungen in der Ukraine um 75 Prozent gedrosselt. Hintergrund ist ein Streit zwischen Russland und der Ukraine um höhere Gaspreise und höhere Transitgebühren, die Kiew von Russland verlangt. Gazprom hatte der Ukraine vorgeworfen, das für den Export bestimmte Gas zu Eigenzwecken zu stehlen. Deshalb gebe es keinen Grund mehr, das Gas über die Ukraine zu den Kunden in Westeuropa zu pumpen, hatte Gazprom-Chef Alexej Miller gesagt. Russlands Regierungschef Wladimir Putin warf der Ukraine vor, das Gas von den "europäischen Verbrauchern, die dafür viel Geld bezahlt haben, zu klauen".

Glos beruhigt Verbraucher
Nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) brauchen die Deutschen sich nicht vor Versorgungsengpässen zu fürchten. In Deutschland gebe es derzeit noch Gasreserven für rund drei Monate, die aufgrund der kalten Witterung allerdings schneller schrumpfen könnten, sagte Glos im ARD-Morgenmagazin. Im Gegensatz zu anderen Ländern sei die Bundesrepublik nicht ausschließlich auf russische Lieferungen angewiesen.

Zugleich rief Glos Russland und die Ukraine auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Beide Seiten nähmen viele Länder als Geisel in einem bilateralen Streit. Die widerstreitenden Parteien müssten sich an ihre Lieferverpflichtungen halten.

Auch Klaus Mangold, Vorsitzender im Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft, zeigte sich optimistisch, dass die Gasversorgung in Deutschland einerseits wochenlang gesichert ist und es andererseits zu einer Normalisierung der ukrainisch-russischen Beziehungen kommen wird. Mangold plädierte im Deutschlandfunk auch für erneute Gas-Verhandlungen zwischen EU, der Ukraine und Russland.

Der Vizepräsident der EU-Kommission, Industriekommissar Günter Verheugen, forderte im "Hamburger Abendblatt" eine "sofortige und vollständige Wiederaufnahme der Gasversorgung in der Europäischen Union".

Der Präsident der internationalen Gesellschaft für Energiewirtschaft, Georg Erdmann, erwartet, dass am Ende des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine die Europäische Union Teile der ukrainischen Schulden an Gazprom übernehmen könnte. Die EU habe sich deshalb bislang davor geziert, sich mit an den Verhandlungstisch zu setzen, sagte Erdmann im Deutschlandradio Kultur.

Nach Ansicht des Osteuropaexerten Alexander Rahr von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik schadet die Entwicklung sowohl Russland als auch der Ukraine. Sollte der Konflikt nicht schnell beigelegt werden, sei zu befürchten, die EU als sicheren Konsumenten zu verlieren, sagte Rahr im Deutschlandfunk.

Österreich und Tschechien ohne Gas
Österreich und Tschechien waren am Mittwochmorgen vollständig von der russischen Gasversorgung abgeschnitten. Dies bestätigte der österreichische Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Er kündigte im ORF für Freitag eine Notverordnung an, die die Verteilung des vorhandenen Gases regeln soll.

Im Juli hatten die Russen den Tschechen den Ölhahn zugedreht - nur gut die Hälfte der vereinbarten Menge kam durch die Pipeline "Druschba". Auch jetzt meldet der tschechische Rundfunk, es flössen 75 Prozent weniger Gas aus Russland durch die Pipelines nach Tschechien.

Die Slowakei rief wegen des Gasausfalls bereits am Dienstag den Notstand aus. Auch Ungarn, Serbien, Bulgarien, Griechenland und die Türkei meldeten schwere Versorgungsengpässe.


Letzte Änderung: 17.07.2009 03:20 Uhr

 

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