Der britische Naturwissenschaftler und Erfinder der Evolutionstheorie, Charles Robert Darwin (Bild: AP Archiv)
Die Wände fallen steil ab in den schmalen Canyon. Der Ranger David Noble und seine Freunde seilen sich ab - in eine Schlucht, die kein Europäer zuvor gesehen hat. Unten angekommen entdecken sie ein Grüppchen fremdartig aussehender Bäume - aus reiner Neugier bricht Noble einen Zweig ab und bringt ihn Forschern im Botanischen Garten von Sydney. Die können ihren Augen nicht glauben: Der Zweig stammt von einer Pflanze, die vor über 65 Millionen Jahren ausgestorben ist oder zumindest als ausgestorben galt - bis zu jenem 10. September 1994.
Die Wollemie hat in ihrer kleinen abgeschotteten Schlucht die Dinosaurier überlebt, die ersten Säugetiere gesehen und nun auch den Menschen. Die Evolution ist an ihr scheinbar spurlos vorbeigezogen, nicht aber an ihrer Umgebung: In immer komplexeren Systemen hat sich das Leben entwickelt, vom Auftauchen der Photosynthese über die ersten Vielzeller, die Erfindung des Sex und der Tiere bis zum Landgang der Fische.
Als Charles Darwin die Theorie der Evolution vor 150 Jahren veröffentlichte, stellte sie das menschliche Selbstverständnis als Krone der Schöpfung auf den Kopf und entfaltete ihre Wirkung weit über die Grenzen der Biologie hinaus. Während Darwins Erben daran arbeiten, die letzten Rätsel der Evolutionstheorie zu lösen, verschwinden gleichzeitig immer mehr Tiere und Pflanzen von der Erde. Wie der urtümliche Axolotl, der mit einem Geweih von Kiemenästen in nur noch einigen wenigen kleinen Seen rund um Mexiko-Stadt lebt. Ein Schwanzlurch, der seine Beine, Organe und sogar Teile seines Gehirns verlieren und wieder vollständig nachwachsen lassen kann. Oder eben die Wollemie, von der niemand weiß, wie lange sie den ersten Kontakt mit dem Menschen überleben wird. Gerade einmal 50 Bäume wachsen noch in den engen Schluchten Ostaustraliens.
Vor 200 Jahren kam Charles Darwin auf die Welt und vor 150 Jahren veröffentlichte er sein Buch "Über die Entstehung der Arten". Dieses doppelte Jubiläum nehmen Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur zum Anlass, das Erbe des Charles Darwin zu erforschen. In Features, Reportagen und Reihen zeigen unsere Autoren, wie viel Zündstoff für Politik und Biologie noch heute in der Evolutionstheorie liegt, wie die Theorien des Briten von den Nationalsozialisten für ihren Rassenwahn missbraucht wurden, und welchen unglaublichen Schatz an Artenreichtum der Mensch Tag für Tag vernichtet.
Letzte Änderung: 02.10.2009 12:57 Uhr
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