Einen Tag nach dem unterirdischen Atomwaffentest hat Nordkorea offenbar zwei Kurzstreckenraketen getestet. Das berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte den gestrigen Atombombentest Nordkoreas einstimmig verurteilt. Die Führung in Pjöngjang habe gegen mehrere Resolutionen der UNO verstoßen, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Witali Tschurkin, nach einer Dringlichkeitssitzung in New York. Über eine weitere Resolution werde beraten.
US-Präsident Barack Obama hat Südkorea und Japan zugesichert, dass sein Land der Verteidigung beider Staaten verpflichtet bleibe. Wie das Weiße Haus in Washington mitteilte, stimmten Obama und der südkoreanische Staatschef Lee Myung Bak bei einem Telefonat überein, dass der nordkoreanische Atomwaffentest eine gefährliche Verletzung internationalen Rechts darstelle.
Das südkoreanische Außenministerium kündigte zudem an, Seoul werde sich künftig an der von den USA ins Leben gerufenen Initiative gegen die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen beteiligen. Nordkorea hatte den südlichen Nachbarn in der Vergangenheit gewarnt, dass es diesen Schritt als Kriegserklärung auffassen werde.
Auch mit Japans Ministerpräsident Taro Aso hat Obama vereinbart, die Zusammenarbeit in dieser Frage zu vertiefen. Das Parlament in Tokio kritisierte den Atomtest in einer Resolution. Auch soll über weitere Sanktionen gegen Nordkorea beraten werden.
Der Nordkorea-Spezialist an der Universität Trier, Professor Hans Maull, sieht das Regime in Pjöngjang weiter auf dem Weg in eine Sackgasse. Die Atomwaffentests gehörten zu den Erpressungsversuchen, mit denen man die internationale Gemeinschaft, das Nachbarland Südkorea und auch die eigene Bevölkerung zu Geiseln machen wolle. Der Volksrepublik China könne das Regime ernsthaft unter Druck setzen, fürchte jedoch die politischen Konsequenzen, erläuterte Maull.
Nach Einschätzung des wissenschaftlichen Direktors des Hamburger Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Michael Brzoska, verfolgt Nordkorea mit seinem Atomprogramm in erster Linie politische und wirtschaftliche Ziele. Es gehe dem Regime vor allem darum, als Machtfaktor anerkannt zu werden und mit den westlichen Staaten ins Gespräch zu kommen, sagte Brzoska.
Der ehemalige Staatsminister im Auswärtigen Amt, Bundestagsabgeordneter Werner Hoyer (FDP), geht von einem wachsenden Druck auf Nordkorea aus, warnte zugleich aber vor zu großen Hoffnungen: "Bisher haben wir keine Interessenharmonie zwischen den drei beziehungsweise vier Mitgliedern des Sicherheitsrates, also Großbritannien, Frankreich, den USA, dann Russland dazu auf der einen Seite, und China auf der anderen Seite, aber ich glaube, das verändert sich jetzt, weil es wird jetzt auch für China langsam sehr ungemütlich, was in Pjöngjang passiert, denn die Vorstellung der Chinesen, dass sie letztendlich das beeinflussen können, was in Nordkorea passiert, die erweist sich zunehmend auch als Illusion", sagte er im Deutschlandfunk. Laut Hoyer ist die Reaktion der Weltgemeinschaft auf die Tests in Nordkorea wichtig: "Wenn man den Nordkoreanern diese Sache durchgehen lässt, dann wird das Rückwirkungen zum Beispiel auf die Iran-Politik haben und damit einen Flächenbrand auslösen, der innerhalb weniger Jahre oder Jahrzehnte eine höhere zweistellige Anzahl von Nuklearmächten zur Folge haben würde, und damit wären die Proliferationsrisiken immer größer, auch im Hinblick auf nichtstaatliche Akteure und letztlich Terroristen."
Letzte Änderung: 03.12.2009 03:20 Uhr
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