"Spiegel-Leser wissen mehr", lesen wir in der FRANKFURTER RUNDSCHAU. Hans-Hermann Kotte schreibt unter dem Titel "Jungskram" über ein Buch, das die immer interessante Frage stellt: "Wie gut ist Ihre Allgemeinbildung?"
Als Herausgeber sind Doktoren zweier Fachgebiete angegeben, wobei es sich nicht um Mediziner handelt. Man kann sich dem Inhalt auch via Internet nähern, und das haben bereits mehr als 600000 sogenannte Internetuser getan. Hans-Hermann Kotte war nicht faul und tat es ihnen gleich, allerdings im Hardware-Bereich: Er benutzte das Buch, und er schnitt ganz gut ab, wie er etwas verschämt mitteilt. Er landete "knapp in der obersten Kategorie" und war "mit 18 Fehlern bei 150 Fragen" unter den "besten drei Prozent".
Beim Limbo gewinnt der, der es schafft, unter der am tiefsten gehängten Stange hindurch zu tanzen. Und so lesen wir in der FR die selbstkritischen Anmerkungen des Probanden:
"Wer würde beispielsweise nicht Helmut Schmidt, die Concorde, den Transrapid oder Picassos Bild 'Guernica' auf einem Foto erkennen?"
Erschwerend hinzu kommt bei diesem Wissenstest:
"Es fällt unangenehm auf, dass viel Jungskram abgefragt wird ('Dampfmaschine') und Frauen in den Fragen kaum vorkommen."
Was war noch mal eine "Dampfmaschine"?
"1. Schreibe das Problem auf." Lesen wir nun in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG. "2. Denke scharf nach. 3. Schreibe die Lösung auf." Liest sich ganz einfach, ist aber völlig altmodisch und heute nicht mehr üblich.
Der US-amerikanische Science-Fiction-Schriftsteller Bruce Sterling, der als Mitbegründer des Cyberpunk gilt, prophezeit "das Ende aller historischen Erzählung". Wir lernen, dass "kollektive Intelligenz" heute als "Internethype-Schmodder" bezeichnet wird, und dass man vor ganz anderen Fragen steht als noch vor 20 Jahren. "Die Erzählung des vierzehnten Jahrhunderts aufzuschreiben", erklärt Bruce Sterling in der FAZ in Bezug auf Geschichtsschreibung, "sich zu fragen, was sich damals abspielte, ist etwas ganz anderes, als die zeitlose Frage zu stellen: Was macht Google, wenn ich den Suchbegriff 'vierzehntes Jahrhundert' eingebe?"
Kurz gesagt: Es tauchen binnen 0,27 Sekunden 122 000 Ergebnisse auf. Tütenärmel, Hansekoggen und Mörder scheinen auf, aber wir wollen das hier nicht vertiefen.
Denn Bruce Sterling lehrt auch: "Was es nicht mehr gibt, sind ein Kanon und ein historisches Register."
Das heißt, wenn wir den Artikel in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG richtig interpretieren, es ist eh alles egal. Bezogen auf die Geschichtsschreibung weist Bruce Sterling immerhin darauf hin:
"Es gibt eine Geschichte, über die nicht geschrieben werden konnte - die Geschichte von Menschen, die sich historisch nicht durchgesetzt haben; die Geschichte von Völkern, die keine Literatur hatten. Der Vorgeschichte, der menschlichen Erfahrung vor der Entstehung des historischen Dokuments können wir nun mit Hilfe der Genetik und der Archäologie nachspüren."
Kommen wir zurück zum Buch. In der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG schreibt Peter Münch unter der irreführenden Überschrift "Ausflug nach Seebüll" über die deutsche Bibliothek des Goethe-Instituts im Gaza-Streifen.
"Etwa tausend Bücher sind derzeit ausgestellt im Lesesaal, gut sortiert, für jeden etwas."
Man wundert sich etwas, wie sie dort hin gekommen sind, denn wir lesen:
"Seit dem Krieg vor Jahresfrist erlaubt Israel nur noch die Einfuhr dringend benötigter humanitärer Güter. Bücher gehören nicht dazu."
Nun, die Bücher sind dort und werden eifrig genutzt. Peter Münch erzählt in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG von bildungshungrigen jungen Menschen, die Tag für Tag zum Lesen kommen. Deutsche Bücher, wie gesagt, im Gaza-Streifen, wo die Grenzen gen Israel und Ägypten abgeriegelt sind: "Sie sind Gefangene", schreibt Münch, "und der Lesesaal soll ein 'Fenster zur Welt' sein."
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