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FAZIT - KULTURPRESSESCHAU

KULTURPRESSESCHAU

14.03.2010

Von Adelheid Wedel

"Du weißt, wo die Tagebücher sind."

Dieser Satz war das Einzige, was Susan Sontag ihrem Sohn David Rieff zu ihren im Kleiderschrank versteckten Notizbüchern sagte. Der Sohn hat diesen "Auftrag" angenommen und den ersten der auf drei Bände angelegten Sammlung herausgegeben. Die FRANKFURTER RUNDSCHAU berichtet:

"Die Veröffentlichung ihrer frühen Notizbücher erlaubt nun Einblicke in Sontags Privat- und Intimleben."

Wir erfahren:

"Für die junge Susan Sontag waren ihre Notizbücher 'ein Vehikel für mein Ichgefühl', ein unentbehrlicher Ort der Selbstvergewisserung und -erschaffung."

Jene Frau, die später Amerikas scharfsichtigste Kritikerin werden sollte, hat Beziehungshöllen erlebt. 1959 begann der Kampf um das Sorgerecht, bei dem der Ehemann Sontag outete. In der Zeit schreibt sie:

"Mein Bedürfnis zu schreiben, hängt mit meiner Homosexualität zusammen. Ich brauche diese Identität als Waffe, als Gegenstück zu der Waffe, die die Gesellschaft gegen mich einsetzt."

Susan Sontags Tagebücher 1947 - 1963 sind nun unter dem Titel "Wiedergeboren" auf Deutsch im Hanser Verlag erschienen.

Die Ankündigung neuer Bücher und deren Rezensionen bilden einen Schwerpunkt der Feuilletons vom Montag, ein Fingerzeig auf die in dieser Woche beginnende Leipziger Buchmesse. Die Tageszeitung TAZ wendet sich dem ersten Roman des in den USA lebenden Nepalesen Samrat Upadhyay zu. In "Der Liebesguru" beschreibt er ein klassisches Dilemma:

"Ein Mann in den besten Jahren verguckt sich in eine zu junge Frau."

Vor zehn Jahren veröffentlichte Upadhyay einen Kurzgeschichtenband und war damit der erste Englisch schreibende nepalesische Autor, der im Westen verlegt wurde. Shirin Sojitrawalla lobt in ihrer Rezension den Autor, der

"feinfühlig und klug über die Anfangseuphorie einer Liebe und ihre Ausnüchterungstendenzen"

schreibt. Und sie lobt die im Jahr 2007 in Bergisch-Gladbach gegründete Edition Kathmandu, die den "Liebesguru" herausbrachte, ein unabhängiger Miniverlag, der zurzeit vornehmlich vom nepalesischen Pokhara aus operiert.

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG stellt u. a. Hanna Lemkes Erzählband "Gesichertes" als ein Beispiel "für die Kunst des Untertreibens vor". Sie empfiehlt Peter Sloterdijks Essay "Das Zeug zur Macht" in dem von Sloterdijk und Sven Voelker herausgegebenen Band "Der Welt über die Straße helfen - Designstudien" aus dem Münchner Fink-Verlag. Dort findet sich eine Definition von Modernität. Sloterdijk schreibt:

"Modernität sei nur ein anderer Name für die Verlegenheit, zwischen Abbau und Aufbau von Illusionen eine Balance zu vermitteln."

Mit "Die Mutter des letzten Kommunisten" ist die Rezension zu Ronald M. Schernikaus Buch "Irene Binz. Befragung" überschrieben, das jetzt im Berliner Rotbuch Verlag erschienen ist.

"1981 in Hamburg hatte Schernikau das Interview mit der Mutter auf mehreren hundert Seiten sorgfältig abgeschrieben."

Der 1991 an Aids gestorbene Autor

"stellte eine Prosafassung her, die nie erschien. Thomas Keck hat sie nun aus dem Nachlass ediert"

- informiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.

"Wer das Buch heute zur Hand nimmt, interessiert sich zunächst wohl mehr für den Autor als für die zwei Deutschlands und den Blick einer Mutter auf sie. Schernikau, der Sohn, war zu Beginn der achtziger Jahre eine Hoffnung der deutschen Literatur." ##

Zum Schluss noch kurz eine gute Nachricht aus der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG: "Was siebzehn Jahre währt, wird endlich gut. Gütersloh eröffnete" am Sonnabend "sein neues Theater," ein Kulturwürfel, "der noch nicht ganz ausgepackt ist," an drei Seiten stehen Gerüste, aber "die Schauseite nach Süden steht frei und öffnet einladend zur Stadt".

 

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