"Ich bin tief verletzt."
Unter dieser Überschrift druckt die Wochenzeitung DIE ZEIT eine Stellungnahme von Judith Butler, die diese auf der amerikanischen Internetplattform Mondoweiss veröffentlicht hat. Butler soll am 11. September den Adorno-Preis verliehen bekommen, was zu heftiger Kritik unter anderem des Zentralrats der Deutschen Juden geführt hat.
"Mir wird vorgeworfen", so Butler, "dass ich Hamas und Hisbollah unterstütze (was nicht stimmt), dass ich die Kampagne 'Boycott, Divestment and Sanctions', kurz BDS, unterstütze (was mit Einschränkungen stimmt) und dass ich antisemitisch bin (was völlig falsch ist)."
Aber Butler will sich nicht nur selbst erklären, sondern beleuchtet auch die Argumente ihrer Gegner:
"Es ist falsch, absurd und schmerzlich, wenn irgendjemand behauptet, dass diejenigen, die Kritik am israelischen Staat üben, antisemitisch oder, falls jüdisch, voller Selbsthass seien. Man versucht, diejenigen, die eine kritische Auffassung vorbringen, zu dämonisieren und so ihre Sichtweise zu diskreditieren."
So kommt Butler zu folgendem Schluss:
"Wenn eine Gruppe Juden eine andere Gruppe Juden als 'antisemitisch' bezeichnet, dann versucht sie, das Recht, im Namen der Juden zu sprechen, zu monopolisieren."
- so Judith Butler in der ZEIT.
Hanno Rauterberg zeigt sich, ebenfalls in der ZEIT, gelangweilt von den berühmten Architekten auf der gerade eröffneten Biennale in Venedig. Sie "nutzen auch die Biennale nur als Verkaufsraum, um wie Renzo Piano einen dümmlichen Riesenturm in London anzupreisen oder für ihr architektonisches Seegetier zu werben wie Zaha Hadid". Kurator David Chipperfield habe allerdings auch ein glückliches Händchen bewiesen, meint Rauterberg.
"Zum Glück aber gibt es die kleinen, die jungen Büros. Architekten, die sich nicht an irgendeinen Formenkanon klammern, die offen in die Welt schauen und sehr pragmatisch das aufgreifen, was gerade vorbeikommt. Ihre Methode ist die bricolage, das Pasticcio, die kluge Ergänzung. Ein altes Parkhaus in Wuppertal? Das lässt sich umnutzen. Eine hässliche Großgarage im Hinterhof? Kein Problem, für eine Galerie ist das doch gerade richtig. Das alte Tabula-rasa- und Vorwärts-Denken haben viele Architekten überwunden, sie folgen einer anderen Logik."
Laura Weissmüller geht in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG noch einen Schritt weiter, wenn sie schreibt:
"Die Kultur der Stararchitekten passt nicht mehr in eine Zeit, in der Nationen vor der Pleite stehen und der Eurorettungsschirm immer weiter gespannt werden muss."
Auch Weissmüller gefallen die leiseren Beiträge der Architektur-Biennale. Trotzdem bekennt sie:
"Je tiefer man sich in die Ausstellung begibt, desto weniger will sich ein innerer Zusammenhang ergeben. Der x-te Bildatlas eines Architekten löst den ersten wieder auf. Die unzähligen Dialoge vermischen sich zu einer Kakofonie der Positionen. Zum einen fehlt da sicherlich eine kuratorische Hand, zu der Chipperfield schlicht nicht die Zeit gehabt hat. Dem britischen Architekten und seinem Team blieb durch das italienische Macht-Hickhack wenig Zeit für die Vorbereitung Zum anderen fragt man sich, ob hier nicht zu viel architektonische Nabelschau betrieben wird."
In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG betrauert Lorenz Jäger den Frankfurter Philosophen Alfred Schmidt, der am Dienstag verstarb.
"Ergreifend war es, die Treue vor allem zu seinem Lehrer Horkheimer zu beobachten, dessen Frankfurter Lehrstuhl er später übernahm. Aus dem engeren Bezirk der Kritischen Theorie griff Schmidt immer weiter in die Kontexte einer Philosophie der Natur aus."
Der 1931 in Berlin geborene Alfred Schmidt studierte vor der Philosophie erst Geschichte und Literatur.
"So kann man sagen, dass auch sein Zugriff auf die Kritische Theorie etwas Philologisches hatte und dass die Akzentuierung der 'Historizität' ihm in der Auseinandersetzung mit dem aus Frankreich hereinströmenden Strukturalismus ein Hauptanliegen war."
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Fazit
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