"Vielleicht sollten Sie für einen Moment Ihr Brötchen beiseitelegen. Hier wird jetzt nämlich gleich viel Blut fließen, ziemlich viel Blut. Es werden Messer angesetzt, Schnitte gemacht, viele Schnitte. Es werden Mädchen sterben. Und es wird einen grauenvollen Spaß machen."
Mit diesen Sätzen eröffnet Elmar Krekeler in der Tageszeitung DIE WELT unter der Überschrift "Dänen töten besser" seine mörderische Kolumne "Krekeler killt" und stellt Susanne Stauns leichenreicher Krimi "Totenzimmer" vor.
"Es geht um Angst in 'Totenzimmer', um männliche Definitionshoheit darüber, was Sexualität eigentlich ist, was Folter, Gewalt, was Lust. [Und] Um die weibliche Reaktion darauf."
Bleiben wir bei den Laut-Sprechern, kommen wir zu Dietmar Dath.
Unter der Überschrift "Im Saustall der Erleuchtung" berichtet der Autor der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG vom Filmfestival in Venedig und namentlich von Harmony Korines Streifen "Spring Breakers", der vier Mädchen in die Sommerferien begleitet:
"Aus der sonstigen Auswahl für den Wettbewerb [so Dath] sticht diese Komödie als starkes Statement eines echten Irren hervor, ohne jeden Sinn fürs sozial Nützliche oder Manierliche, dafür voller Überraschungen, Bikinis, Beats, Primär- und Neonfarben, Möpse (wobei das nicht die Hunde meint) und anderer gesundheitsschädlicher Süßigkeiten für Erwachsene. James Franco, mit vergoldeter Beißleiste, geflochtenen Zöpfchen und debilen Tätowierungen, steuert die nötige männliche Hitze bei, als humanoides Krokodil, das aus Geld und Übermut zusammengesetzt ist und sein Herz an die vier gemeingefährlichen weiblichen Teenager verliert, um die es geht."
Vielen Dank für den Tipp, Dietmar Dath! Wenn der Film "Spring Breakers" auch nur annähernd so crazy ist wie beschrieben, müsste man schon ein Torfkopf der Vernunft sein, um da demnächst nicht mit Wonne reinzurennen. -
Und weiter mit den Jubel-Kritiken. Angerührt von Leonard Cohens Auftritt in der Berliner Waldbühne schreibt Hilmar Klute in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG:
"Leonard Cohen macht seit vier Jahren die Grand Tour des erfolgreichen Purgatoriums-Absolventen - er ist durchs Fegefeuer gegangen, hat die Religionen und die Ideologien, die Frauen und Städte durchprobiert und im Pfandleihhaus der elenden Welt am Schluss vielleicht seine schönste Maske gefunden: die des alten Mannes, der ganz leicht und beinahe glücklich auf die Bühnen dieser Welt schlendert, der seine wunderbaren Lieder am liebsten auf Knien zelebriert; und für den sich Menschen, die nichts weiter bei sich haben als Wolfskin-Jacken, Sitzkissen und Tupperware-Dosen drei Stunden lang in der Berliner Waldbühne den Arsch abfrieren."
Die Pet Shop Boys sind um Jahrzehnte jünger als Leonard Cohen. Dennoch rücken sie, wie die WELT schreibt, "himmlischen Gefilden immer näher" - und ihr neues Album, das sie in Berlin vorgestellt haben, heißt auffälligerweise "Elysium".
"Es sollte [ursprünglich, so die WELT-Autorin Anne Waak] durchweg in einer melancholischen, nachdenklichen Stimmung gehalten sein. Eher aus Versehen, so beschreiben [ ... ] es [die Pet Shop Boys] rückblickend, ist es dann ein Album über das Älterwerden geworden. Dass sie 2009 mit einem Brit Award für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurden, wirkte wahrscheinlich auch nicht gerade als Jungbrunnen."
Übrigens hat sich Pet Shop Boy Neil Tennant zu einer musikalischen Gattung geäußert, die hierzulande Feuilleton-Verbot hat - und zwar mit den weisen Worten:
"'Viele Künstler beschränken sich auf das, was ihnen als 'cool' erscheint, statt wie in der Mode Uncooles in Cooles umzuwandeln. Mit deutschem Schlager ließe sich das auch machen. Nicht, dass wir das unbedingt vorhätten. Aber es ist doch etwas Attraktives an diesen süßlichen Melodien, das beglückt schauende Publikum, dieses ganze eher deutsche Genre. Da gibt es nichts Vergleichbares in England. Das fasziniert uns schon sehr.'"
Summa summarum: Das Feuilleton vom Freitag macht viel Spaß. Weshalb wir jedem, der hier zuhört, mit der BERLINER ZEITUNG raten:
"Genieße es, so lange du noch kannst."
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Fazit
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