"Der Kosovo ist nun selbstständig, und zum neuen Staat soll auch eine neue Kultur gehören,"
schreibt Hans-Peter Kunisch in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Zunächst eine Hoffnung, aber
"sichtbare Zeichen des Aufbruchs"
gibt es im Kosovo, dem seit diesem Montag jüngsten Staat Europas.
"Künstler und Autoren kommen zurück,"
wie es der Film "The Return" zeigt, der von der schwierigen Rückkehr zur Familie nach dem Krieg handelt. Die gewaltigen Zerstörungen jener Zeit sind noch immer allgegenwärtig.
"Dennoch merkt man,"
berichtet Autor Kunisch,
"dass es vielen Leuten derzeit lieber wäre, etwas Neues zu beginnen, als über den Krieg zu sprechen."
Der größte Erfolg am Nationaltheater des Kosovo ist derzeit "Lysistrata" von Aristophanes.
"Die junge Regisseurin Elmaze Nura erzählt, es sei kein Zufall, dass Theater im Kosovo noch immer einen beträchtlichen Stellenwert habe. In Kriegszeiten sei das Kinder- und Jugendtheater 'Dodona' in Prishtina mit seiner heimlich eingerichteten Erwachsenenbühne der einzige öffentliche Ort gewesen, an dem eine Auseinandersetzung mit der schrecklichen Gegenwart stattfinden konnte."
Inzwischen gibt es eine gut ausgebildete Rückkehrer-Elite,
"die in Deutschland und Italien studiert hat."
Ein Beispiel dafür ist die gefeierte Sängerin Rita Ora,
"die Lady Gaga des Kosovo."
1990 in Prishtina geboren, lebte sie bisher in London und
"ist jetzt auf dem Weg, ein Weltstar zu werden."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG gibt dem Politiker Oskar Lafontaine reichlich Platz für einen Essay zu dem Gedanken,
"warum die Linke oft recht hat, es aber nur selten bekommt."
Das zu beweisen, holt der Autor weit aus; vor mehr als zweitausend Jahren stellte Perikles fest:
"Ein System, das nur der Minderheit der Reichen dient, kann nicht Demokratie genannt werden. Lafontaine schlussfolgert: Wenn die etablierten europäischen Parteien trotz der Diktatur der Finanzmärkte, trotz sinkender Löhne, Renten und sozialer Leistungen immer noch von Demokratie sprechen, müssen sie ein anderes Verständnis von Demokratie haben."
Er beschwört den "worst case",
"trotz des Rufes nach Regeln und Gesetzen, die die Finanzmärkte in die Schranken weisen, sind die Banken so mächtig geworden, dass die Regierungen und Parlamente Gesetze zum Schutze der Schwachen, also der Mehrheit der Bevölkerung, nicht mehr durchsetzen können."
Lafontaine gibt Beispiele dafür,
"wie große Vermögen die Demokratie untergraben, wie sich Vermögens- und Machtstrukturen erneuern und verstärken und wie sie gesellschaftlichen Veränderungen als scheinbar unüberwindliches Hindernis gegenüberstehen."
Er kritisiert den Wertekanon der westlichen Industriegesellschaft,
"gegen den die Linke mit ihrem Eintreten für Gemeinschaft, Zusammenarbeit und Solidarität wie aus der Zeit gefallen"
wirke und er appelliert:
"Der Verhöhnung und Zerstörung ihrer Ideale muss die Linke die Überzeugung entgegensetzen, dass es Werte gibt, die man nicht kaufen kann, und dass genau diese Werte dem menschlichen Leben die Würde geben."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG macht auf einen Dokumentarfilm aufmerksam, der an diesem Mittwochabend auf ARTE laufen wird. Der Titel "Empört Euch!" verrät, worum es geht, um den gleichnamigen Beststeller und seinen Autor Stéphane Héssel. Die Zeitung nennt den früheren Résistance-Kämpfer und Spitzendiplomaten, den inzwischen 94-Jährigen:
"Opa von Occupy, das Maskottchen der neuen politisierten Jugend Europas."
Der Film von Regisseur Tony Gatlif inszeniert Héssel als Chefideologen,
"der langsam und gemessen seinen Buchtext rezitiert."
Gegen diesen Text montiert Gatlif die jungen Empörten aus Madrid, Brüssel und Paris, die ebenfalls Héssel zitieren,
"aber bei ihnen ist das eine Kampfschrift."
Claudia Tischky wertet die Filmidee:
"Nicht mal Brecht hat das eindeutiger hinbekommen."
Mehr zur Sendung:
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Fazit
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