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FAZIT - KULTURPRESSESCHAU

KULTURPRESSESCHAU

13.09.2012

Von Arno Orzessek

"Om wumm" - titelt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. Und es lässt sich sagen, dass damit das Thema des Artikels vorerst offen bleibt.

Tatsächlich muss man zwei Unterzeilen überspringen, um im Zusammenhang zu lesen:

"Om wumm. Mit einem solchen Knall beginnt der Tag nur selten - vor Schreck fährt man abrupt aus dem Schlaf hoch, kitzelt so die überweichen Federn der alten Bettstatt in Schwung und fühlt sich, noch vor dem ersten Kaffee, als säße man in einem Gummiboot, das eine Treppe herunterrast."

Womit das Thema natürlich weiter offen bleibt.

Aber keine Sorge, NZZ-Autor Samuel Herzog deliriert nicht. Er hat nur das Hotel "Bregaglia" in Promontogno besucht, das wegen der zeitgenössischen Kunstwerke gerühmt wird. Und da kam es in der Nähe nach einem Bergsturz zu einer kontrollierten Sprengung - om wumm halt.

Übrigens sollte man trotzdem nach Promontogno reisen: "Ein wunderbarer Ort für die Kunst", meint Herzog.

Indessen erlebt die Schweiz auch Künstler-Streit. Der Schriftsteller Andreas Müller hat den Kollegen Peter Bichsel angeklagt, ausweislich einer bei Suhrkamp erschienen Zitat-Sammlung ein anti-deutscher Rassist zu sein und dem modischen "'Deutschen-Bashing'" Vorschub zu leisten.

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG ergreift nun Partei für Bichsel. Laut Jürg Altwegg sind die inkriminierten Zitate keine Beschimpfungen, sondern befassen sich mit der gebrochenen Identität der Deutschen und deren Wahrnehmung durch Schweizer Augen.

Da Bichsel dabei Klischees bedient, sieht Altwegg allerdings eine Gefahr:

"Wenn man seine an sich harmlosen Zitate wörtlich nimmt und 'die Deutschen' durch 'Schwarze' oder 'Juden' ersetzte, würden sie tatsächlich zu einem Fall für den Staatsanwalt."

Erstaunliche Logik! Oder gar ein Lob? Altwegg hält die Deutschen offenbar für derart robust, dass man ihnen Dinge nachsagen kann, die auf Schwarze gemünzt vor Gericht enden würden.

Und wenn Sie jetzt denken, liebe Hörer, man müsste mal ein paar Bichsel-Sprüche hören, sind wir bei Ihnen. Aber, Pech gehabt - die FAZ liefert keine!

Vielleicht recherchieren Sie das auf Ihrem Smartphone nach - nach dem Motto der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG: "Ganz entspannt im Hier und Netz". -

Die TAGESZEITUNG zeigt sich indessen mit Blick aufs neue, selbst quakende, aber auch zuhörende Multi-Kompetenz-iPhone 5 von Apple recht skeptisch.

"Wir werden häufiger gegen eine Laterne rennen, schnell noch die Mail weg. Vielleicht auch seltener - 'Siri, schreib Dieter über Facebook: Bin gleich da!' [ ... ] Wir werden so viel mit diesem Computer tun können, dass wir uns manchmal wünschen werden, er sei nur ein Telefon und wir könnten einfach nur nachdenken, während wir in der Kaffeeschlange warten. Und wenn wir nicht ganz doof sind, werden wir merken, dass das geht",

lästert Johannes Gernert.

Um sich für den Artikel "Das Handy wird zum Körperteil" zu präparieren, ist FAZ-Autorin Melanie Mühl mit dem Ding ins Bett gegangen ... kann es doch dank einer von Hunderten Selbstüberwachungs-Apps auch die Qualität des Nachtschlafs messen.

"Es ist noch nicht lange her [räsoniert Mühl], da galt, wer in einem Tagebuch akribisch seine Gewohnheiten dokumentierte, als spleenig. Der technische Fortschritt hat die Perspektive längst komplett verändert. Das digitale Tagebuch [im Handy] ist ein Effizienzdokument. Es passt perfekt in eine Gesellschaft, die unter Optimierungszwang steht."

Nur gut, dass die BERLINER ZEITUNG "Die Seele im technischen Zeitalter" kennt. Es soll Jessie Ware sein, laut Jens Balzer "die tollste Soulsängerin der Stunde". Sie debütiert gerade mit dem Album "Devotion".

"Ihre Dominanz erringt sie ganz durch Zurückhaltung, und lange schon hat auf der Bühne und in Videoclips niemand mehr auf so elegante Weise erotisch gewirkt. [ ... ] Der Dutt, den Jessie Ware trägt, ist natürlich kein retroseliger Großmutterdutt, sondern [ ... ] die Frisur einer Frau, die von ihren Hörern keinen Widerspruch duldet und keine laue Verehrung - sondern nur das Niederknien. So soll es hiermit geschehen sein."

glaubt Jens Balzer. -

Tschüss, liebe Hörer. Wir entlassen Sie jetzt, mit einer SZ-Überschrift, auf Ihren "Trampelpfad in die Zukunft".

 

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