Die Schuld der Muslime - mit dieser Überschrift ist der Aufmacher des Feuilletons der Tageszeitung DIE WELT versehen. Hernryk M. Broder macht sich in gewohnt polemischer Manier über die Berichterstattung zu den aktuellen Ausschreitungen in der muslimischen Welt lustig: Claus Kleber vom ZDF-Heute-Journal zum Beispiel, der in einer seiner sprachlich so ausgefeilten Moderationen die "Radikalen auf beiden Seiten" für die Eskalation der Lage verantwortlich machte. Oder der Kollege vom Stern, der seinen Kommentar über "ein dummes Video", das "die islamische Welt in Aufruhr" bringt, mit der Überschrift versah: "Wer Hass sät, erntet Hass". Für Broder ist das alles Kokolores, und so fragt er eigentlich nur noch rhetorisch: Nimmt jemand an, die Söhne Allahs würden begeistert Beifall klatschen, wenn es nicht "ein dummdreister" und "handwerklich billiger" Film wäre, sondern ein Meisterwerk von Pasolini oder Tarantino?
Aktion, Redaktion, so beschreibt Michael Hanfeld in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG die Proteste und ihre Wirkung: Die Lehre soll lauten: Wer den Islam und insbesondere dessen Propheten beleidigt, erklärt den Muslimen den Krieg.
Doch Hanfeld möchte in der FAZ hinter die brennenden Fassaden schauen. Und dort ginge es um die Erhaltung der Macht: Der sudanesische Islamist Omar al Bashir, ein Diktator und Christenverfolger reinsten Wassers, braucht ein Ventil, um die noch radikaleren Gruppen in seinem Land zu besänftigen. Also orchestriert sein Regime den Aufruhr vor der deutschen Botschaft, damit sich dieser nicht gegen sie selbst richtet. Und das ist laut Hanfeld nur ein Beispiel.
Die Liste lässt sich fortsetzen mit Iran, mit Afghanistan, mit Syrien. Überall taugt die Religion als einigendes Band und dazu, von herrschenden Problemen abzulenken und Machtkämpfe zu bemänteln. Es braucht nur einen Anlass, eine Aussage, ein Dokument, einen Film.
Molières "Don Juan" hat René Pollesch an der Berliner Volksbühne inszeniert. Das Ende eine Molière-Reihe mit dem Schauspieler und Regisseur Martin Wuttke. Christine Wahl fasst im Berliner TAGESSPIEGEL zusammen, was bisher geschah: Anfang Juni hatte der Ausnahmeschauspieler in eigener Regie als "Der eingebildete Kranke" auf der Bühne gestanden. Kurz darauf gab er, unter Frank Castorf, den "Geizigen". Aber da konnte Wuttke gar nicht mitspielen, weil er krankheitsbedingt absagen musste. Kurz vor der Premiere. Ein bekanntermaßen denkwürdiges Projekt, so Christine Wahl, aus dessen Begleitumständen Polleschs Abend nun auch seine bemerkenswertesten Szenen schöpft. "Erinnere dich mal an den ,Geizigen', wo du gar nicht da warst", beschwört Lilith Stangenberg Wuttke in einer schönen Hypnosenummer und animiert anschließend auch die restliche Bühnencrew zur Rekonstruktion eines Abends, der sozusagen nie stattgefunden hat.
Pollesch macht aus seinem "Don Juan" also was er will, und Christine Wahl ist begeistert: Pollesch verdichtet hier die öffentliche Aufmerksamkeits- und Betroffenheitsschwemme (auch seitens der Feuilletons), die Wuttke nach der Premierenabsage ereilte, genüsslich zu einem unterhaltsamen Diskurs über die Dialektik von Empathie und Abwesenheit, der von einer trashigen Gerippe-Marionetten-Combo angemessen flankiert wird.
Völlig außer sich fügt Ulrich Seidel in der FRANKFURTER RUNDSCHAU hinzu: Ein neuer, wieder einmal bester Spuk des Theaterabschaffungstheatermachers René Pollesch. Rennt mit unverminderter Kraft gegen die Wände des Denkens. Dafür zwischendurch ein Dankeschön.
Von solchen Kritiken kann die Show "Supertalent" auf RTL nur träumen. Erwartungsgemäß gefiel keiner Zeitung die Neuauflage mit Thomas Gottschalk in der Jury. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG macht sich sogar Sorgen: Gottschalk, das war einmal ein besonderer Entertainer, der zwar auch einfache Späße machte, aber nebenbei auch noch mit Marcel Reich-Ranicki debattieren konnte. Wer unter Bohlen als Nebenfigur auf einem schrillen Jahrmarkt auftritt, kann dieses Flair leicht verlieren.
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Fazit
Kulturpresseschau
Sendezeit: 25.05.2013, 23:50
Frankfurt: "Unendliche Annäherung" - Kongress und Festival über die "Romantik"
Sendezeit: 25.05.2013, 23:44
Internationale Kunstmesse arte BA in Buenos Aires
Sendezeit: 25.05.2013, 23:38
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