"Schiller als Vordenker unseres Rechtsstaates -"
so wird der Dichter von der Germanistin Yvonne Nilges in ihrem Buch "Schiller und das Recht" beschrieben. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG druckt eine Rezension, die im Großen und Ganzen die Autorin lobt, allerdings nicht uneingeschränkt. Rezensent Michael Stolleis zunächst:
"Frau Nilges lässt ihren auf das Recht eingestellten Scheinwerfer in einem langen Bogen über Schillers Werk wandern. In den Dramen wird die generelle Entwicklungslinie deutlich: Von den Hoffnungen auf 'Gedankenfreiheit' im 'Don Karlos' zu den düsteren Bildern von Macht, Ehrgeiz, Verbrechen aus Staatsräson und Selbstüberhebung im 'Wallenstein', von da zu den Prozessdramen der Maria Stuart, schließlich zum "Wilhelm Tell". "
Für die Buchautorin ist Schillers "Tell" "die Geburt der für ihn idealen, zukunftsträchtigen, modernen Republik." Weniger positiv sieht der Rezensent, wie sich die Nicht-Juristin Frau Nilges gängiger Lexika bedient, um den Anschluss an die Gegenwart herzustellen.
"Das ist ihr immer wieder neu formuliertes Ziel. Schiller soll möglichst alles 'vorweggenommen haben', was den modernen Rechtsstaat, die Demokratie, die Europäische Union und das humanitäre Völkerrecht ausmacht."
Stolleis schränkt ein: Man kann den Dichter studieren und bewundern,
"man muss ihn aber nicht kraft gezielter Interpretation zu einem seiner Zeit weit vorausgeeilten Straf- und Staatsrechtler machen."
Eine andere Interpretation für Literatur liefert die Tageszeitung DIE WELT: Literatur als olympische Disziplin betrachtend heißt es dort:
"Schreiben sollte wie Leistungssport sein."
Der Satz fällt im Gespräch mit dem amerikanischen Bestsellerautor Chad Harbach, dessen Baseballroman "Die Kunst des Feldspiels" in den USA bejubelt wird. Worin unterscheidet sich sportlicher von literarischem Erfolg, wird er gefragt. Er antwortet:
"Ich bin immer noch ein Wettkampftyp und glaube, dass Wettbewerb der Literatur nützt, solange fair gespielt wird. Die Gesellschaft nimmt die Athleten als quasireligiöse, sich aufopfernde Vorbilder wahr. Wir bewundern Sportler, weil sie sich ihrem Handwerk unterwerfen, ebenso wie Künstler, Musiker, Schriftsteller."
Heute habe sich die Wertigkeit in seinem Land verschoben, sagt Harbach.
"Erfolgreiche Sportler gehören zu den bekanntesten Personen der USA, sind viel wichtiger als Schriftsteller oder bildende Künstler - was vor 50 Jahren noch anders gewesen ist. Sport besetzt den Aufmerksamkeitsraum der Kunst. Für unsere Gesellschaft wäre es eine gute Sache, wenn Literatur und Kunst auf der gleichen Ebene wie der Spitzensport stehen würden."
Auch das Feuilleton der FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG wirft im Bericht vom Filmfest in Deauville einen Blick nach Amerika. Das jährlich stattfindende Festival in der französischen Küstenstadt ging 1975 an den Start und widmet sich von Beginn an dem amerikanischen Independent-Film. Marco Schmidt beobachtete in diesem Jahr:
"In Deauville drängte sich dem Kinozuschauer ein böser Verdacht auf: den Vereinigten Staaten von Amerika geht es verdammt dreckig. Die Filme zeichneten das Bild eines dem Untergang geweihten Landes - verwundet und verstört, ausgelaugt und zerrissen durch wirtschaftliche und soziale Missstände.
Fast alle Beiträge warfen ein Schlaglicht auf den täglichen Überlebenskampf der Menschen, die von der Zivilisation ausgespuckt wurden: Arbeitslose, Obdachlose, Mutlose, die keine Möglichkeit mehr sehen, auf legalem Weg ein Stück vom Kuchen abzubekommen, der offenbar längst nicht mehr groß genug für alle ist."
"Die schwedische Zeitung 'Svenska Dagbladet'" - eine der zwei überregionalen Qualitätszeitungen - "verzichtet" künftig "auf ihr tägliches Feuilleton", erfahren wir aus der TAZ. Nur noch sonntags erscheint ein Kultur- und Gesellschaftsmagazin, in der Woche bleibt ein dünnes Nachrichten- und Wirtschaftsblatt übrig. "Das ist ein Rezept," so befürchtet selbst die Redaktion, "mit dem man auf dem besten Weg ist, sich selbst abzuschaffen."
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