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FAZIT - KULTURPRESSESCHAU

KULTURPRESSESCHAU

27.09.2012

Von Arno Orzessek

So viel vorab: Die Frauenquote in dieser Presseschau liegt praktisch bei 100 Prozent.

Was damit zu tun hat, dass in den Interviews der aktuellen Feuilletons kein einziger Mann zu Wort kommt - es sei denn, als Fragesteller.

In der "SZ" unterhält sich Joseph Hanimann mit der französischen Schriftstellerin Yasmina Reza über deren neues Stück "Ihre Version des Spiels". Es wird nächste Woche im Deutschen Theater in Berlin uraufgeführt…

Was Reza zu einem dicken Lob auf unsere Republik und unsere Feuilletonisten anstiftet:

"'Deutschland ist für mich absolut erstrangig. Dieses Land hat mir meine Chance gegeben, von Anfang an. Die deutsche Kritik hat meine Stücke sofort zur Kenntnis genommen, nicht immer positiv, aber immer aufmerksam und gründlich. Man hat meine Texte in großen Häusern mit großen Regisseuren und Schauspielern gespielt. In einem Interview sagte Woody Allen einmal, er werde Frankreich auf immer lieben, weil es wie kein anderes Land sein Werk aufgenommen habe. Dieses Land ist für mich Deutschland.'"

Merci beaucoup, Yasmina Reza! Es wird dauern, bis wir all den Honig abgeschleckt haben, den Sie uns da um den teutonischen Mund schmieren.

In der Tageszeitung DIE WELT konfrontiert Josef Engels die auf - sagen wir: bettnahe Art - attraktive kanadische Jazz-Sängerin Diana Krall mit der Häme ihrer Kritiker.

Die Kolleginnen Bridgewater und Wilson hatten Krall als Mode-Erscheinung abgetan, andere die Hochglanzfotos auf ihren CD-Covern bemäkelt.

Dazu die feuilleton-skeptische Krall:

"'Nun, Dee Dee Bridgewater ist bekannt dafür, dass sie kein Fan von mir ist. Sollte Cassandra Wilson einmal etwas Schlechtes über mich gesagt haben, würde es mir das Herz brechen. Ich liebe sie. Übrigens finde ich es nicht cool, Kolleginnen übereinander herziehen zu lassen. Wir würden Sie sich denn fühlen, wenn ich Sie über andere Journalisten befragen würde?'"

maßregelt Krall den WELT-Autor Engels und teilt ihm mit, dass auch die Fotos zur neuen CD "Glad Rag Doll" keine Keuschheit propagieren.

"'Eins weiß ich […]: Die Promo-Bilder für diese Platte werden wohl sogar noch mehr Leute ankotzen als bisher schon.'" -

"'Ich werde immer naiver, immer unreifer'",


bekennt die 29-jährige Schweizer Folksängerin Sophie Hunger in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG.

Woraufhin NZZ-Autor Ueli Bernays fragt, ob die Welt heute zu schnell für Reifungsprozesse sei.

"'Das könnte gut sein [antwortet Hunger]: immer neue Gegebenheiten, ständige Anpassung. Ich habe jedenfalls keine klare Vorstellung von meiner biografischen Entwicklung. Wir Europäer haben uns daran gewöhnt, das Leben als eine erzählerische Einheit zu sehen - von Anfang über die Lehr- und Wanderjahre bis zur Blüte und Reife. Aber dabei handelt es sich wohl um eine überholte Konvention."

Was dann doch sehr reif klingt.

Lustig hingegen die Episode, die Sarah Masuch in der TAGESZEITUNG erzählt.

Während der Proben zu "Hysterikon" 2003 im Hamburger Schauspielhaus - die farbige Masuch spielte ein schwarzes Mädchen unter Weißen - sei es aus ihr herausgebrochen:

"'Meine Freunde waren in der Antifa, ich nie. Ich fand immer, ich müsste das nicht. Ich bin ja schon schwarz, ich bin sozusagen 'ne wandelnde Lichterkette.'"

Auch zuletzt: Frauen.

Wie die WELT berichtet, wurde in Genf eine zweite Mona Lisa vorgestellt, von der einige Forscher behaupten, sie sei die erste, die wahre Mona Lisa.

Die WELT enthält sich der Urteils und titelt:

"Die doppelte Mona Lisa".

Joanne K. Rowling schließlich hat ein Harry-Potter-freies Buch geschrieben. "Ein plötzlicher Todesfall" heißt es, und Peter von Becker findet es im Berliner TAGESSPIEGEL teils so, teils so:

"Da gibt es Passagen, die J. K. Rowling tatsächlich ins Literarische heben. Wenn dagegen die Röte des Himmels […] eine reifere, vollbusige Frau und Mutter an die Farbe ihrer einst jungfräulichen Nippel gemahnt, dann kippt alle Kunst in Kitsch."

Nun denn. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG titelt ganz ohne, das heißt, ohne ganze Worte:

"50º10'21'' N 9º9'0'' S"

Was das bedeuten soll, liebe Leser? Lesen Sie bitte selbst. Um Frauen geht es nicht.

 

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