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FAZIT - KULTURPRESSESCHAU

KULTURPRESSESCHAU

30.09.2012

Von Tobias Wenzel

"Ich habe schüchterne Mädchen gesehen, auch schüchterne kleine Jungs -aber haben Sie je eine so schüchterne Regierung gesehen?"

Fragt der Künstler Ai Weiwei im Gespräch mit dem SPIEGEL und meint die chinesische Regierung. Die hatte ihn wegen angeblicher Steuerschulden verhaften lassen und fast drei Monate lang an einem unbekannten Ort festgehalten. Im Juni wurde er unter strengen Auflagen freigelassen. Seinen Pass hat er bis heute noch nicht zurückerhalten.

Ein Gefangener im eigenen Land, der gerne seine Gastprofessur in Berlin antreten würde. Die Behörden aber seien schwach, so Ai Weiwei, schließlich würden sie sich ja nicht mal trauen, öffentlich über ihn zu reden. In den Zeitungen Chinas wird Ai Weiwei totgeschwiegen, während ausländische Medien kontinuierlich und umfangreich über ihn berichten.

Ais Einspruch gegen den Steuerprozess, der wiederum offensichtlich nur ein Vorwand ist, um den kritischen Künstler aus dem Weg zu räumen, wurde von einem Gericht im Juli abgewiesen. Werde er also bald wieder ins Gefängnis müssen, fragt der SPIEGEL. Und Ai Weiwei antwortet:

"Es kann jeden Augenblick passieren, dass sie vorn am Tor stehen und mich abholen. Es kann aber auch sein, dass sie mich plötzlich ausreisen lassen, einfach, damit ich weg bin und keinen Ärger mehr mache."

Jenen, die die Freiheit und Rechte von Menschen missachten, hat Günter Wallraff auch schon viel Ärger gemacht. Und wie Ai Weiwei wurde auch Günter Wallraff schon verhaftet und gefoltert. Und zwar in Griechenland. Daran erinnern die Feuilletons zu Wallraffs 70. Geburtstag, ohne auf die unbewiesenen Vorwürfe der letzten Wochen einzugehen.

"Es war seine gefährlichste Aktion",

schreibt Joachim Güntner in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG über jenen 10. Mai 1974, an dem Wallraff sich an eine Laterne in Athen ankettete und Flugblätter gegen die Militärdiktatur Griechenlands verteilte. Wallraff wurde

"für einen heimischen Dissidenten"

gehalten, verhaftet und gefoltert. Kam erst nach vier Monaten wieder frei.

"Wer weiß, vielleicht gratuliert ihm heute, undercover, irgendwo ein Staatsanwalt",

mutmaßt Caroline Fetscher im TAGESSPIEGEL.

"Wallraffs hoch entwickelter Sinn für Recht und Gerechtigkeit"

habe seine Methode, in andere Rollen zu schlüpfen, um soziale und politische Misstände aufzudecken,

"moralisch legitimiert".

Und darin sei ihm die Staatsanwaltschaft immer wieder gefolgt. Er arbeitete investigativ als Paketlieferant, in einer Großbäckerei und bei der BILD-Zeitung. Er berichtete als Türke Ali darüber, wie unmenschlich er als vermeintlich ausländischer Hilfsarbeiter auf dem deutschen Bau behandelt wurde. Das Buch dazu, "Ganz unten", erschien 1977, mit allein hierzulande vier Millionen verkauften Exemplaren einer der größten Erfolge der deutschen Verlagsgeschichte.

"Ohne Pathos, aber mit Verve und treffsicherer Provokation"

gehe Wallraff vor, lobt Caroline Fetscher im TAGESSPIEGEL und erwähnt, dass der wohl berühmteste Aufklärer Deutschlands sogar schon in den Wortschatz skandinavischer Sprachen vorgedrungen sei. Mit dem Wort "wallraffen". Die Bedeutung: Missstände durch verdeckte Ermittlung aufdecken.

Dem berühmtesten verdeckten Ermittler aller Zeit widmet der SPIEGEL gleich sieben Seiten. Nein, nicht Wallraff, sondern dem Agenten 007. Am 5. Oktober vor genau 50 Jahren lief mit "Dr. No" der erste James-Bond-Film in den Kinos. Gleich ein Riesenerfolg. "Ein Mann wie eine Black Box" hat Lars-Olav Beier seinen Artikel über den

"männlichsten aller Kinohelden"

genannt. Verkörpert wurde James Bond durch sechs Schauspieler, von Sean Connery bis Daniel Craig. Bond sei

"ein Monument der Popkultur, […] ein Superheld der Konsumgesellschaft",

schreibt Beier.

"Von seinem Ausrüster Q bekam er immer die Prototypen neuer Produktlinien und wurde so zum prominentesten Warentester des Kapitalismus."

Ein Held leistet Übermenschliches, hat also keine psychischen Probleme. Jedenfalls in den bisherigen Bond-Filmen. Denn im neuen Film "Skyfall" leidet Bond an einem Trauma. In den Worten von Lars-Olav Beier:

"Im Alter von 50 ist Bond unter uns Sterblichen angekommen."

 

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Kulturpresseschau - Aus den Feuilletons

Sendezeit: 22.05.2013, 23:52

Zum Tod des Theaterkritikers Henning Rischbieter

Sendezeit: 22.05.2013, 23:50

Zum Tod des Komponisten Henri Dutilleux

Sendezeit: 22.05.2013, 23:44

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