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FAZIT - KULTURPRESSESCHAU

KULTURPRESSESCHAU

03.10.2012

Von Gregor Sander

Zwei Autoren machen sich in den Feuilletons vom Donnerstag Gedanken über den Tag der Deutschen Einheit.

"Jede Revolution braucht Tradition: Mein Dank an Sachsen zum Tag der Deutschen Einheit"

schreibt Uwe Tellkamp in der Tageszeitung DIE WELT.

"Heimat ist der konkrete Raum. Hier erfährt man die Originaleindrücke, zum ersten Mal also, was das ist: Fluss, Berg, Baum, Haus, Familie. Im konkreten Raum wird der abstrakte Raum ("Welt", "Europa", "Deutschland") zur Wirklichkeit. Dort
wird er zum Vertrauen und Vertrautsein, Kindheitsbegriffe, die zum Gebiet der Kindheit gehören - das Enttäuschen der Kindheitsbegriffe nennt man Erwachsenwerden."


Der Schweizer Autor Adolf Muschg hingegen wagt in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG einen Blick nach außen und stellt Europa in den Mittelpunkt seiner Gedanken zum Tag der Deutschen Einheit:

"Eigentlich ist es noch immer kaum zu fassen, dass wir heute ein in Freiheit zusammengekommenes Bündnis von 25 europäischen Staaten haben. Noch viel weniger ist zu fassen, dass sich dieses Bündnis auf der Höhe seiner Errungenschaft in einer Existenzkrise befinden soll und dass sich ausgerechnet die gemeinsame Währung als Sprengstoff erweist."

Aber Adolf Muschg will die Hoffnung auf eine funktionierende Europäische Gemeinschaft nicht aufgeben:

"Jetzt kann Europa noch einmal ein Beispiel dafür werden, dass man Lebensrecht auf diesem Planeten nicht mit Wachstum begründet und dass Europa nicht in der vom Markt diktierten Globalisierung aufgeht wie das Opfer in der Statistik."

Stephan Kimmig hat am Deutschen Theater in Berlin das Stück "Ihre Version des Spiels" der Französin Yasmina Reza inszeniert. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG nennt diese Uraufführung

"Bildungsbürgerschmeicheltheater"

und Christine Dössel prophezeit:

"Ein Bühnenrenner wie 'Kunst' oder 'Der Gott des Gemetzels' wird das neue Stück von Yasmina Reza nicht. Viele werden es als erlesenes Insider-Blabla aus dem Literaturbetrieb abtun und nicht viel damit anzufangen wissen."

Einen bitterbösen Blick auf die Abgründe des Literaturbetriebs werfe Reza mit diesem Stück, schreibt Ulrich Weinzierl in der WELT und zeigt sich von der Hauptdarstellerin begeistert:

"Corinna Harfouch ist schlicht und einfach überwältigend. Allein ihre Verlegenheit, ihre Fahrigkeit, die unzähligen winzigen Gesten des Unbehagens vom Fußscharren aufwärts faszinieren. Alles ist 'gemacht' und doch von vollendeter Natürlichkeit."

Harfouch spielt eine von der Presse bedrängte Schriftstellerin und auch Gerhard Stadelmeier von der FAZ ist von der Hauptdarstellerin angetan:

"Yasmina Rezas Schriftstellerin beharrt darauf, dass sie selbst und ihr Werk einen Unterschied darstellten. Und Corinna Harfouch macht daraus einen großen, eleganten Wut- und Wuchttanz um die Leerstelle der verlorenen Intimität herum."

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG feiert eine besondere Schauspielerin, die in der Überschrift als

"Das Mädchen für alles"

bezeichnet wird.

"Irmgard 'Irm' Hermann, die diesen Donnerstag ihren 70. feiert, gehörte nicht einfach zum 'Kreis um Fassbinder', sie gehörte in dessen Zentrum, lebte mit RWF zusammen. Ein hübsches Paar, wie man in 'Angst essen Seele auf' sehen kann: Rainer Werner als cooler Stenz, Irm als seine kokette, gar nicht unterwürfige Freundin."

Doch Rainer Werner Fassbinder wurde für Irm Hermann auch zum schmerzlichen Problem:

"Die Trennung von Fassbinder, bei dem sie in 18 Filmen mitwirkte, vollzog sich schrittweise, traumatisch, führte zu einem Selbstmordversuch. 1975 ging Irm Hermann dann ihre eigenen Wege,"

so die SZ. Doch auch wenn sie später mit Loriot, H.P. Kerkeling oder Christoph Schlingensief zusammenarbeitete: Die prägende Figur blieb Fassbinder. Und der notierte über die gelernte Sekretärin ganz uneitel:

"Mittlerweile sind Leute wie Irm Hermann und Kurt Raab keine Laien mehr, haben längst gelernt, was sie auf einer Schauspielschule hätten lernen können. Im Gegenteil, sie haben wesentlich mehr gelernt!"

 

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Kulturpresseschau - Aus den Feuilletons

Sendezeit: 22.05.2013, 23:52

Zum Tod des Theaterkritikers Henning Rischbieter

Sendezeit: 22.05.2013, 23:50

Zum Tod des Komponisten Henri Dutilleux

Sendezeit: 22.05.2013, 23:44

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