Zum Inhalt
Zur Deutschlandradio Kultur-Startseite
 
nach oben
FAZIT - KULTURPRESSESCHAU

KULTURPRESSESCHAU

05.10.2012

Von Adelheid Wedel

Die Schärfe der Kritik überrascht, aber Arno Widmann in der FRANKFURTER RUNDSCHAU und der BERLINER ZEITUNG sowie Jens Bisky in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG sind sich einig in ihrem Urteil über die Ausstellung "Russen und Deutsche. 1000 Jahre Kunst, Geschichte und Kultur":

"Diese Ausstellung gehört eingemottet."

So urteilt Arno Widmann, und das bleibt nicht das einzige negative Urteil. Er wettert:

"Man hat zusammengekarrt, was man vor die Flinte bekam. Es ist eine Ausstellung herausgekommen, in der sich viele schöne, interessante Dinge befinden - nur zum Verhältnis der Deutschen zu den Russen und umgekehrt weiß sie nichts, überhaupt nichts zu sagen. In dieser Ausstellung soll die Gemütlichkeit die Wirklichkeit ersticken."

Die Revolution von 1917 - wahrlich ein geschichtsträchtiges Ereignis - kommt vor, "sie spielt aber keine Rolle". Ein weiteres Defizit laut Widmann:

"Die Gründung der DDR. Kann man sie weglassen, wenn es um die Geschichte der Beziehungen von Deutschen und Russen geht?"

Sein Fazit wiederholt die Kritik:

"Diese Ausstellung ist ein Anschlag auf die Intelligenz der Besucher. Sie ist der russisch-deutsche Versuch, uns eine rosarote Brille aufzusetzen."

Ähnlich, wenn auch nicht ganz so unversöhnlich, sieht Jens Bisky das in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG:

"Diese opulente kulturgeschichtliche Inszenierung ist ein Ärgernis. Sie setzt aufs Staunen statt auf Erkenntnis. Die Addition der einzelnen Geschichten ergibt hier keine Geschichte. Die Dramaturgie folgt dem schlichten. 'Und dann, und dort, und dann'."

Einigermaßen entnervt fasst der Autor zusammen:

"Entpolitisiert, zusammenhanglos, kulturgeschichtlich weichgespült. Das soll der Völkerverständigung dienen?"

Eine andere Ausstellung wird in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG besprochen:

"Das Deutsche Literaturarchiv Marbach zeigt Kassiber aus 250 Jahren - als Mittel des Überlebens. Es ist eine bemerkenswerte Ausstellung, die sich der desperaten Kunst des Kassibers widmet",

lobt Andreas Breitenstein. Dokumentiert werden die erschwerten Bedingungen des Schreibens hinter Gittern:

"Da ist zum einen der Zwang zur Verdichtung in der Not der beschränkten kommunikativen Möglichkeiten und zum anderen der gesteigerte Mitteilungsdrang dessen, der sich um Lebenszeit betrogen sieht und vergewaltigt fühlt, der sich seiner selbst vergewissern, seine Wahrheit kundtun muss ... Es sind Hunger und Kälte, Enge und Einsamkeit, Folter und Todesangst, die den Gefangenen zum Ausdruck drängen. Schreibend sucht er den Horror von sich wegzudrücken, ihn in Sprache fassend zu versachlichen und darin Trost zu finden. Nur wenige schaffen es, aus dem Bodenlosen der Situation die Höhe der Literatur zu erklimmen. 'Man lügt nicht in der Todesstunde'",

lauten die letzten überlieferten Zeilen Walter Hasenclevers aus dem französischen Internierungslager Gurs vor seinem Suizid. Bis zum 27. Januar ist die Ausstellung "Kassiber. Verbotenes Schreiben" in Marbach zu sehen.

Ebenfalls die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG berichtet von der Eröffnung des Peter Zadek-Archivs in dieser Woche an der Berliner Akademie der Künste "als Hommage an einen großen Mann des Theaters". Zadek hat der Akademie seinen gesamten Nachlass überlassen.

"Auf 35 Regalmetern sind gut 200 Ordner mit Materialien zu seinen Inszenierungen und seiner Intendantentätigkeit sowie Fotos und Kritiken versammelt."

Erhältlich ist jetzt das Buch "Zadek und seine Bühnenbilder", das bei der Eröffnungsveranstaltung vorgestellt wurde. "Der Raum", so sagte seine Lebensgefährtin Elisabeth Plessen,

"waren für den gelernten Bühnenbildner Zadek immer 'Fantasiewohnungen', unabdingbar, nie bloßer Spielrahmen. Gerade mit seinen Bühnenbildern sei er deshalb stets 'künstlerische Liebesverhältnisse' eingegangen."

 

RELATED LINKS

Mehr zur Sendung:

JETZT IM RADIO

Deutschlandradio Kultur

Seit 18:30 Uhr
Hörspiel
Nächste Sendung: 20:00 Uhr
Nachrichten

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandradio Kultur

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Fazit

Musikthema: "10 Points for...." - ESC-Entscheidung in Malmö Entscheidung

Sendezeit: 18.05.2013, 23:53

Kulturpresseschau ( Wochenrückblick ) 18.05.2013

Sendezeit: 18.05.2013, 23:43

Wozu brauchen Sie Kulltur?

Sendezeit: 18.05.2013, 23:39

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link