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FAZIT - KULTURPRESSESCHAU

KULTURPRESSESCHAU

08.10.2012

Von Klaus Pokatzky

"Die Maßnahmen zur Rettung des Euro zerstören die Errungenschaften von über 300 Jahren westlicher Demokratiegeschichte."

Diese starken Worte lesen wir in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG.

"Den Institutionen, die in der Euro-Krise an die Stelle der Parlamente treten, fehlt die demokratische Legitimation …"

… beklagt Dominik Geppert - schließlich werden die wichtigsten Beamten der Europäischen Zentralbank und des Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM "nicht gewählt, sondern von den Regierungen nominiert; sie sind keinem Parlament Rechenschaft schuldig".

Dominik Geppert lehrt Geschichte an der Universität Bonn und ärgert sich zum Griechenland-Besuch der Kanzlerin Angela Merkel an diesem Dienstag über lockeren Umgang unserer Parlamentarier mit dem Steuergeld:

"Mittlerweile werden in Abend- und Nachtsitzungen Summen gebilligt, die - wie im Falle des deutschen Anteils am Stammkapital des ESM - fast zwei Drittel des Bundeshaushalts betragen."

Ein Parlamentarier, der mit dem Geld umgehen kann - es sei ihm auch gegönnt - muss nun zum pekuniären Pausenclown im verfrühten Wahlkampf herhalten:

"Peer Steinbrück ist Hannelore Kraft mit weniger Haaren."

Das steht in der Tageszeitung DIE WELT über den Auftritt des SPD-Kanzlerkandidaten in der Fernsehtalkshow von Günther Jauch.

"Peer Steinbrück ist der Idealkandidat für Journalisten: In ihm spiegeln sich die eigene Unsolidität und Gefallsucht …"

… meint der Journalist Ulf Poschardt und teilt kräftig aus:

"Günther Jauch sah sich mehr mit einem Kollegen denn einem Politiker konfrontiert und scheiterte ungewohnt kampflos an der tadellos vorbereiteten Plauderkoryphäe."

Vielleicht ärgert sich Ulf Poschardt ja auch nur darüber, wie grandios Union und FDP mit ihren Vortrags-Vorwürfen gegen Steinbrück nun Wahlkampf für die Sozialdemokraten betreiben. Die Unterstellung, ein Peer Steinbrück würde gegen Honorar Bankern nach dem Munde reden, ist ja nun wirklich eine Beleidigung eines jeden gesunden Menschenverstandes.

"Der Nobelpreis kommt Donnerstag …"

… vermeldet die SÜDDEUTSCHE und führt uns aus den Niederungen der Parteipolitik in das Schöne, Gute, Wahre der Literatur.

"Wie die Schwedische Akademie am Montag mitteilte, gibt sie am Donnerstag um 13 Uhr ihre Entscheidung über den diesjährigen Literaturnobelpreis bekannt", erfahren wir - und:

"Als Favoriten gelten in diesem Jahr der japanische Romancier Haruki Murakami und der Chinese Mo Yan. Vier Tage vor der diesjährigen Bekanntgabe lag bei Ladbrokes Murakami auf dem ersten Platz vor Mo Yan."

Ladbrokes? Den Namen müssen wir uns merken, wenn es um Literatur geht - so wie wir uns die Abkürzung ESM für den Europäischen Stabilitätsmechanismus merken sollten.

"Einmal im Jahr treffen sich Zocker, Sportsfreunde und der Literaturbetrieb beim britischen Buchmacher Ladbrokes", klärt uns DIE WELT über den Ort auf, an dem schon vor der Bekanntgabe in Stockholm sich abzeichnet, wer den Literaturnobelpreis erhält. Das war bei den Wettfavoriten und späteren Preisträgern Orhan Pamuk, Jean-Marie Le Clézio und Herta Müller so.

"Unwahrscheinlich, dass Ladbrokes geheime Blicke auf die 20 Namen lange Kandidatenliste wirft, die das Komitee seit dem Frühjahr hütet", schreibt Wieland Freund in der WELT.

"Wahrscheinlicher schon, dass der Schwarm der Ladbrokes-Kunden nach Maßgabe der Stockholmer Preisarithmetik eine Art Sudoku spielt, Herkunftskontinent, Geschlecht und bevorzugtes Genre eines möglichen Preisträgers mit dessen Vorgängern abgleicht und dabei ein bisschen auf die politische Weltlage schielt."

Die finanzielle Weltlage kennt bekanntlich kein Pardon. Sie nimmt auch keine Rücksicht auf die Literatur.
"Die Dotierung der Nobelpreise", teilt uns der Berliner TAGESSPIEGEL mit, "ist in diesem Jahr um 20 Prozent auf acht Millionen Kronen (930.000 Euro) gesenkt worden"##.

Wir brauchen einen Nobelpreis-Rettungsschirm. Den NRM. Frau Merkel, Herr Steinbrück - übernehmen Sie.

 

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